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Ministerium schaltet große Anzeigenkampagne Ärzte empört über Honorar-Propaganda des BMG (20.04.2009)

Es ist eine schöne Geschichte, die das Bundesgesundheitsministerium da in großen Zeitungsanzeigen unters Volk bringt. \"Die Honorare der Kassenärzte steigen deutlich\", heißt es gleich eingangs unmissverständlich. In diesem Jahr würden die Niedergelassenen 3,8 Milliarden Euro mehr bekommen als 2007.

Und damit kommen die Ministerialen auch direkt zum Punkt: Patienten abzuweisen, Vorkasse zu verlangen oder Praxen zu schließen \"geht ganz sicher nicht\". Betroffene Patienten sollten sofort ihre Krankenkasse informieren. In der Anzeige wird detailliert - und offenbar individuell für den jeweiligen KV-Bezirk, in dem die Zeitung erscheint - vorgerechnet, um wie viel das Durchschnittshonorar pro Arzt wachse.
Liebe Ärzte: \"Das ist viel Geld.\"

Im Rheinland kommt das Ministerium auf 16.000 Euro (siehe Bild), in Baden-Württemberg immerhin auf 9.700 Euro. \"Das ist viel Geld\" steht dort - und dieser Auffassung werden sich wohl auch die Zeitungsleser anschließen, die sich ja mit der komplizierten Materie beim besten Willen nicht intensiv auseinandersetzen können.

Die Ärzteproteste der letzten Monate, sie werden gegenüber den Bürgern als Irrwitz abgetan. Hier lohnt sich ein längeres Zitat:

\"Vieles ist neu an dem System der ärztlichen Honorare, und einiges müssen die Vertreter der Ärztinnen und Ärzte noch besser gestalten als bisher. Das ist ureigene Angelegenheit der Selbstverwaltung in den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen in Deutschland. Weil das in einigen Regionen noch nicht so gut umgesetzt wurde wie erwartet, protestieren insbesondere Fachärzte gegen vermeintliche Fehler der neuen Honorarordnung.\"
Ärztevertreter zeigen sich fassungslos

Vertreter der Ärzte reagierten fassungslos auf die ministerielle Propaganda. \"Mit dieser Anzeigenkampagne brüskiert das BMG wider besseren Wissens die Vertragsärzte in Baden-Württemberg\", erklärte Achim Hoffmann-Goldmayer, KV-Chef im Südwesten. Die Stuttgarter Ärztepräsidentin Ulrike Wahl sekundierte ihm: Das BMG betreibe \"indirekt Stimmungsmache gegen die Ärzteschaft und deren berechtigte Interessen auf eine angemessene Bezahlung\".

Auch der nordrheinische KV-Chef Leonhard Hansen geißelte die \"teuren Anzeigen nach dem Motto \'Haltet den Dieb\'\". Er äußerte die Hoffnung, dass das BMG mit der Kampagne keinen Erfolg haben werde. Die Fakten sprächen schließlich eine andere Sprache.
Honorarverteilung ist im Gesetz detailliert geregelt

Seine KV hätte errechnet, dass 55 Prozent der 14.000 Niedergelassenen in Nordrhein Honorar verlieren werde. Bei fast jedem siebten seien es sogar 15 Prozent und mehr. Wie auch Hoffmann-Goldmayer erklärte er, dass mitnichten die Ärzte verantwortlich für die Honorarverteilung seien - sondern der Gesetzgeber.

Hansen verweist auf den § 87 SGB V, in dem tatsächlich haarklein vorgeschrieben ist, wie das Geld an die Vertragsärzte zu verteilen ist. \"Das genau ist die Wurzel des Übels\", kommentiert der KV-Chef. \"Die KV Nordrhein kann nicht länger zusammen mit den rheinischen Krankenkassen entsprechend den regionalen Erfordernissen agieren, sondern bekommt vom grünen Tisch aus Berlin die Regeln der Honorarverteilung diktiert.\"

Quelle: Ärztliche Praxis


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