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Ärzte-Funktionär warnt vor \"Wartelisten-Medizin\" (21.04.2009)

Kranke müssen sich aus Sicht der Bundesärztekammer auf immer längere Wartezeiten in Arztpraxen und eine schlechter werdende medizinische Versorgung einstellen. \"Wir bewegen uns auf eine Wartelisten-Medizin zu\", sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, in Berlin. Grund für diese Entwicklung sei ein zunehmender Ärztemangel, obwohl die Zahl der Mediziner von 1991 bis 2008 um über 30 Prozent gestiegen sei. Unter anderem durch die Zunahme immer älter werdender Menschen und durch neue Behandlungsmethoden sei die Nachfrage nach ärztlicher Behandlung gestiegen, sagte der Ärzte-Funktionär. Dadurch sei die Arbeitslast größer geworden: „Einfach gesagt: Arbeit in der Medizin ist unattraktiv geworden.“ Es fehlten Mediziner.

Auch Patienten spürten den Ärztemangel bereits, sagte Montgomery. Sie beklagten Wartezeiten und kämen schwieriger an Termine für hochspezialisierte Angebote. In den Krankenhäusern seien in vielen Abteilungen 20 bis 50 Prozent der Stellen unbesetzt. Mangel gebe es auch auf dem Land, nicht nur in den neuen Ländern. Seien noch vor zehn Jahren Tausende Mediziner arbeitslos gewesen, so verzeichne man nun „Traumarbeitslosenraten“ von nur ein bis zwei Prozent.

Die Verantwortung für diese Entwicklung trage die Politik, sagte Montgomery. Um wieder mehr Menschen in den Arztberuf zu locken und die Abwanderung deutscher Ärzte ins Ausland aufzuhalten, müsse es an Krankenhäusern mehr Stellen und eine bessere Bezahlung geben. Auch die Vergütung niedergelassener Ärzte müsse verbessert werden.

„Es ist nicht immer nur das Geld“, sagte Montgomery und verwies auf schlechte Rahmenbedingungen wie vielfach anfallende Überstunden. Über 3000 Ärzte hätten 2008 Deutschland verlassen, nur 1350 Ärzte seien nach Deutschland gezogen. In Schweden beispielsweise hätten Ärzte genau bestimmte Arbeitszeiten. Montgomery appellierte an die Politik, die Bedingungen zu verbessern. Moderne junge Menschen seien nicht mehr bereit, ihren Lebensstil dem Beruf unterzuordnen und Überstunden ohne Ende zu leisten. Nötig seien mehr Stellen in Krankenhäusern und eine bessere Vergütung, bessere Honorare für niedergelassene Ärzte sowie flankierende Maßnahmen wie Entlastung von Bürokratie oder Ausbau von Kinderbetreuung, sagte er.
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Die gerade von Ärzten und Kassen vereinbarte Nachbesserung der Honorarreform kritisierte Montgomery. Es handele sich nur um eine Umverteilung: Einigen Ärzten werde mehr gegeben, anderen etwas weggenommen. Nötig sei jedoch mehr Geld. Eine Summe wollte er jedoch nicht nennen. Auch der zusätzliche Bedarf an Ärzten in den kommenden Jahren sei noch nicht zu beziffern. Man stehe erst am Anfang der Analyse. Nötig sei mehr Versorgungsforschung, sagte Montgomery.

Quelle welt.de


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