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Kurzzeitige Linderung für Kliniken (24.04.2009)

FRANKFURT. Die rund 2 100 Kliniken in Deutschland können aufatmen: Wegen der zusätzlichen drei Mrd. Euro aus dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und der Zuweisung von Investitionen aus dem Konjunkturpaket II dürfte dieses Jahr eines der besten für die Krankenhäuser werden. Doch schon ab dem nächsten Jahr soll die Zahl der von Insolvenz bedrohten Häuser wieder deutlich steigen. Das sind zentrale Aussagen des aktuellen Krankenhaus Rating Reports 2009, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung gestern in Essen vorstellte.

Dass sich die Kliniken nicht in trügerischer Sicherheit wiegen sollten, signalisieren die Autoren der Studie schon mit dem Titel \"Im Auge des Orkans\". Der Orkan - die Finanz- und Wirtschaftskrise - sorgt dafür, dass Krankenhäuser schon ab dem nächsten Jahr tendenziell weniger Geld zur Verfügung haben: Den öffentlichen Haushalten werden Steuergelder fehlen, und auch die Mittel der Krankenkassen werden sich verringern, wenn mehr Beitragszahler arbeitslos werden.

\"Die Krankenkassen sollten die Verschnaufpause, die sie dieses Jahr haben, nutzen, um so zu investieren, dass sie ihre Betriebskosten dauerhaft senken können\", sagt Boris Augurzky, Leiter der RWI-Studie. Beispielsweise durch bauliche Veränderungen, die die Wege verkürzen, oder neue technische Ausrüstung, mit der Kosten gesenkt werden können. Auf absehbare Zeit werden die Kosten der Krankenhäuser stärker steigen als die Erlöse, erwarten die Experten des RWI. Wenn die Krankenhäuser nicht gegensteuern und ihre Produktivität steigern, könnte sich der Anteil der erhöht insolvenzgefährdeten Betriebe von heute 15 auf rund 30 Prozent im Jahr 2020 erhöhen.

Im vergangen Jahr ist die Quote der insolvenzgefährdeten Krankenhäuser nach Schätzungen des RWI sprunghaft von 16 auf 27 Prozent angestiegen. Grund waren die Tariflohnsteigerungen, die von vielen Krankenhäusern durch Erlöse nicht kompensiert werden konnten. Bei den Unikliniken, denen allgemein der höchste Standard in der medizinischen Versorgung zugeschrieben wird, sieht die Situation nicht viel anders aus. Von den 34 deutschen Universitätkliniken schreibt rund ein Drittel rote Zahlen, schätzt die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, die sich unter anderem auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Insofern hat die von der Bundesregierung im Herbst beschlossene Finanzspritze die Situation der 65 Mrd. Euro schweren Branche deutlich entschärft.

Das RWI hat zusammen mit der Beratungsgesellschaft Admed für den Krankenhaus Rating Report mehr als 500 Jahresabschlüsse analysiert. Dabei zeigt sich, dass kleine Krankenhäuser signifikant schlechter abschneiden als große oder mittelgroße, westdeutsche schlechter als ostdeutsche und öffentlich-rechtliche schlechter als private oder freigemeinnützige. Von den rund 2 100 Krankenhäusern in Deutschland befinden sich knapp 38 Prozent in freigemeinnütziger Trägerschaft, 32 Prozent sind in öffentlich-rechtlicher und 30 Prozent in privater Hand. Der Anteil der Privaten hat sich dabei seit 1991 nahezu verdoppelt: Vor allem öffentlich-rechtliche Häuser sind privatisiert worden.

Zurzeit ist es in punkto Übernahmen ruhig im Markt. Die letzten Privatisierungen gab es Ende 2008, als die großen privaten Klinikbetreiber Helios, Rhön-Klinikum und Sana Kliniken einige Häuser erwarben. Branchenvertreter wie Asklepios-Gründer Bernard Broermann rechnen damit, dass die Zahl der Privatisierungen im nächsten Jahr wieder deutlich steigen könnte. Angesichts der vielen Wahlen in diesem Jahr passten Privatisierungen politisch nicht in die Landschaft, sagte Broermann kürzlich im Handelsblatt-Interview.

Nach Ansicht des RWI würde eine Marktbereinigung langfristig die Lage der überlebenden Krankenhäuser verbessern. Die Versorgungssicherheit sei durch den Ausfall eines oder zweier Krankenhäuser in den meisten städtischen Regionen nicht gefährdet.

Überkapazitäten trotz steigender Patientenzahlen

Weniger Betten Der deutsche Krankenhausmarkt gilt als immer noch als überbesetzt, auch wenn die Zahl der Krankenhäuser und die Bettenkapazität seit Jahren sinkt. Aktuell schätzt das RWI die Bettenüberkapazität auf unter zehn Prozent. Ohne weitere Anpassungen dürfte die Überkapazitäten bis 2020 auf rund 28 Prozent anwachsen, weil die Patienten kürzer bleiben.

Mehr Patienten Die Zahl der Patienten wird demografisch bedingt in den nächsten Jahren steigen, allerdings sorgt der Trend zu mehr ambulanter Behandlung dafür, dass die Zahl der stationären Fälle nicht mehr ganz so schnell (rund sechs Prozent) wächst. Mehr Nachfrage erwartet das RWI künftig in Berlin und Brandenburg, Südbayern, in Teilen Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalen ohne Ruhrgebiet.

Neue Alternativen Mittlerweile gibt es für die ambulante Versorgung knapp 1200 Medizinische Versorgungszentren in Deutschland


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