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Wer krank wird, muss in Zukunft bei Arztbesuchen vor allem eins mitbringen: viel Zeit. (24.04.2009)

Kranke müssen sich aus Sicht der Bundesärztekammer auf immer längere Wartezeiten in Arztpraxen und eine schlechter werdende medizinische Versorgung einstellen. Grund für diese Entwicklung ist laut Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, ein zunehmender Ärztemangel, obwohl die Zahl der Mediziner von 1981 bis 2008 um über 30 Prozent gestiegen sei. \"Wir bewegen uns auf eine Wartelisten-Medizin zu\", so Montgomery.

Unter anderem durch die Zunahme immer älter werdender Menschen und durch neue Behandlungsmethoden sei die Nachfrage nach ärztlicher Behandlung gestiegen, sagte der Ärzte-Funktionär. Dadurch sei die Arbeitslast größer geworden. \"Einfach gesagt: Arbeit in der Medizin ist unattraktiv geworden.\" Vor allem bei Fachärzten und Spezialisten komme es demnach zu Engpässen, die ambulante Versorgung in ländlichen Gebieten werde außerdem dünner.

Die Verantwortung für diese Entwicklung sieht Montgomery in der Politik und verweist dabei unter anderem auf die vielfach anfallenden Überstunden. Allein im vergangenen Jahr hätten mehr als 3000 Ärzte Deutschland verlassen, nur 1350 seien nach Deutschland gezogen. Um Abwanderung deutscher Ärzte ins Ausland aufzuhalten und wieder mehr Menschen in den Arztberuf zu locken, müsse es an Krankenhäusern mehr Stellen und eine bessere Bezahlung geben.

Trotz der anfallenden Überstunden und der steigenden Zahl der Ärzte sei die Arbeitszeit der Mediziner allgemein gesunken. Obwohl es in Deutschland 2008 rund 1,5 Prozent mehr Ärzte gäbe als noch ein Jahr zuvor, verringerte sich die von allen Ärzten zusammen geleistete Arbeitszeit im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent. Als Erklärung sieht Montgomery unter anderem die Tatsache, dass es immer mehr Ärztinnen gäbe und Frauen im Schnitt geringere Arbeitszeiten hätten. Der allgemeine Trend zur Arbeitszeitverkürzung schlage außerdem auch bei Medizinern durch.


Auf der anderen Seite führe die Entwicklung immer neuer medizinischer Möglichkeiten zu einem erhöhten Bedarf an Ärzten. Ständig kämen neue Fachbereiche dazu, immer mehr Mediziner spezialisierten sich immer stärker. Gab es 1924 noch 14 unterschiedliche Fachgruppen, seien heute ganze 160 verschiedene Fachbezeichnungen auf dem Markt.

Ein weiterer Grund für den erhöhten Bedarf finde sich in der Demografie: Der Anteil der Über-60-Jährigen in der Bevölkerung sei zwischen 1991 und 2007 um 20,4 Prozent gestiegen. Bei Menschen über 60 liege der Behandlungsbedarf laut Statistik 326 Prozent über dem Bedarf von Unter-60-Jährigen.

Die Patienten spürten die Auswirkungen des Ärztemangels bereits jetzt: In Krankenhäusern seien in vielen Abteilungen 20 bis 50 Prozent der Stellen nicht besetzt. Dem könne man nur durch eine bessere Vergütung und Maßnahmen wie Entlastung der Bürokratie oder dem Ausbau der Kinderbetreuung entgegen wirken.

Reuters, DPA, AP


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