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Kliniken in der Kreditklemme (28.04.2009)

Es klingt wie eine lupenreine Erfolgsgeschichte. Vor vier Jahren haben sich die beiden privaten Klinikketten Rhön und Asklepios zum ersten Mal einem externen Rating unterzogen - der Einschätzung der Kreditwürdigkeit durch eine unabhängige Agentur. Seit dieser Zeit erhielten sie durchgehend gute Bewertungen, was ihnen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichterte.

\"Wir haben uns im Jahr 2007 zu exzellenten Konditionen Kapitalmarkt-Finanzierungen von 250 Mio. Euro gesichert\", sagt Stephan Leonhard, Konzerngeschäftsführer der Asklepios Kliniken, die im Unterschied zu Rhön nicht börsennotiert sind. Aktuell verfüge das Unternehmen über eine ordentlich gefüllte Kasse im dreistelligen Millionenbereich.

Auch Rhön hat mitten in der Wirtschaftskrise nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen. \"Wir haben keine Refinanzierungsprobleme\", sagt Erik Hamann, stellvertretender Finanzvorstand der Klinikkette.
Kein Interesse an teueren Prüfsiegeln

Trotz des Vorbilds der großen Konzerne streben kleinere Klinikverbünde ohne Börsennotierung jedoch derzeit nicht vermehrt danach, ein Prüfsiegel zu erwerben. \"Bei uns ist das Krankenhausgeschäft mehr oder weniger zum Erliegen gekommen\", sagt Frank Sicking, Analyst bei der MAR Gesellschaft für Mittelstands- und Ärzterating. Die Agentur hat sich auf die Bewertung von Gesundheitsunternehmen spezialisiert.

Die momentane Finanzklemme aufgrund der Wirtschaftskrise dämpfe Hoffnungen, über gute Noten der Bonitätswächter rasch an frisches Geld zu kommen, sagt Gesundheitsexperte Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Zudem schreckten die hohen Kosten potenzielle Interessenten ab:

\"Wenn Sie zwischen 50.000 und 100.000 Euro für ein externes Rating bezahlen müssen, überlegen Sie sich genau, ob Sie das brauchen.\" Längerfristig hingegen könne der Bedarf steigen. \"Ich gehe davon aus, dass die privaten Klinikketten wachsen werden und noch einige Anbieter mehr hinzukommen\", sagt Augurzky.
Die öffentliche Hand haftet für kommunale Kliniken

Mit gestiegenen Kosten müssen auch kommunale oder frei-gemeinnützige Krankenhäuser rechnen, die momentan bei Banken wegen eines Kredits anklopfen. Bevor eine größere Summe bewilligt wird, prüfen die Kreditinstitute in der Regel in einem internen Rating die Wahrscheinlichkeit, mit der sie ihr Geld zurückbekommen werden.

Experten beobachten, dass derzeit die Kredite für Kliniken teurer werden, selbst wenn beim Rating ordentliche Noten vergeben werden. Der Hintergrund: Wegen des momentanen Liquiditätsengpasses zahlen die Banken auch bei guter Bonität höhere Risikozuschläge.

Ob bei Krankenhäusern in der Trägerschaft etwa von Bundesländern oder Landkreisen überhaupt eine saubere Risikoeinschätzung möglich ist, daran zweifeln zahlreiche Experten. \"Kommunale Krankenhäuser sind momentan zu gut gerated\", sagt Oliver Everling vom Beratungsunternehmen Everling Advisory Services.

Denn die öffentliche Hand hafte ja für Ausfälle. \"Selbst wenn der Betrieb defizitär ist, sorgt politischer Druck für die nötigen Finanzmittel\", sagt der Krankenhausexperte einer Großbank, der nicht genannt werden will.
Insolvenzen sind ist kommunalen Kliniken unbekannt.

Als prominentes Beispiel dafür gelten in der Branche derzeit die Mühlenkreiskliniken in Minden, einem der größten Klinikverbünde in kommunaler Trägerschaft. Eigentlich hätte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Rund 20 Mio. Euro Schulden hatten sich angesammelt. Nur dank der Trägerschaft des Landkreises wird das Unternehmen jetzt saniert. Insolvenzen sind bei kommunalen Kliniken so gut wie unbekannt.

Weil es keine Ausfälle gebe, könne es streng genommen auch kein spezielles Rating für kommunale Kliniken geben, argumentieren Experten. Denn es fehle die Bemessungsgrundlage.


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