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Ich wollte eine gute Behandlerin werden\" (29.04.2009)

ls Sie im Herbst 2005 die Medizinische Klinik III übernahmen, waren Sie die erste Chefärztin am Klinikum. Und jetzt sind Sie die erste Professorin. Fühlen Sie sich als Vorreiterin?

Zur Person
Kirsten de Groot wurde in Lingen an der Ems geboren. Die 44-Jährige ist mit einem Augenarzt verheiratet und hat zwei Töchter.

Das Medizinstudium absolvierte sie in Kiel und Sydney - Promotion 1990, Facharztausbildung in der Henriettenstiftung Hannover, Rheumaklinik Bad Bramstedt, Universitätsklinik Lübeck, Medizinische Hochschule Hannover.

Bevor sie 2005 als Chefärztin nach Offenbach kam, war sie Oberärztin am Zentrum Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover.

Im Klinikum ist Kirsten de Groot sowohl die einzige Chefärztin als auch die einzige Professorin. In dem Krankenhaus arbeiten 136 Ärztinnen und 178 Ärzte.
So selten ist das heutzutage nicht mehr. Vorreiterin? Das wäre übertrieben. Es war übrigens nie geplant, dass ich habilitiere und Chefärztin werde.

Aber am Offenbacher Klinikum ist es doch etwas Besonderes?

Das stimmt schon. Ich finde es beeindruckend, wie sehr das wahrgenommen worden wird - und zwar von Mitarbeitern aller Fachgruppen. Ich habe Blumensträuße von Patienten nach Hause geschickt bekommen - ganz überwältigend. Ich sehe mich offenbar weniger in der besonderen Rolle als ich von anderen gesehen werde.

Während des Medizinstudiums sind die Geschlechter noch nahezu gleich verteilt. In Führungspositionen sowohl in den Kliniken als auch in der Wissenschaft sind sie dagegen deutlich unterrepräsentiert. Ihre Erklärung?

Im Moment sind es sogar mehr weibliche Medizinstudenten. Es ist eben immer noch der \"Karriereknick\". Die Frauen kriegen die Kinder, und die meisten wollen nicht auf Familie verzichten. Ich wollte immer eine Familie haben. In dem Alter, in dem die Familienplanung ansteht, ist man beruflich gerade so weit, dass man ins Ausland geht, weil man für eine akademische Karriere ein Forschungsstandbein braucht. Das ist für Frauen mit kleinen Kindern fast nicht machbar. Die Vereinbarkeit von Familie und Arztberuf ist zwar in den letzten zehn Jahren durch neue Arbeitszeitgesetze besser geworden, aber in höheren Positionen durch den Zeitaufwand für zusätzliche Aufgaben neben der Patientenversorgung und zum Teil nicht kalkulierbare Zeitpunkte und Dauer von Einsätzen wie im Rufdienst und an den Wochenenden immer noch schwierig.

Aber Ihnen ist es gelungen.

Ich war nicht länger im Ausland. Mein rheumatologischer Chef wollte mich immer an die Mayo Clinic in Rochester/USA schicken. Aber ich wusste genau, wie das läuft: Ich komme vielleicht mit Anfang 30 zurück, dann habe ich immer noch keinen deutschen Facharzt, bin nicht habilitiert, aber der Zeitpunkt der Familienplanung ist da. Dann habe ich womöglich gar nichts. Deshalb habe ich es bewusst nicht primär auf eine wissenschaftliche Karriere angelegt. Ich wollte zuallererst ein guter \"Patientenbehandler\" werden.

Wie haben Sie sich habilitiert?

Nicht primär über Grundlagenforschung, sondern über klinische Forschung zu Autoimmunerkrankungen, die sowohl Rheuma auslösen als auch die Niere befallen. Das hat mir bald auch internationale Reputation gebracht.

Ihre Spezialgebiete sind Rheumatologie und die Nephrologie, also die Nierenheilkunde. Von Ihrem Vorgänger Professor Gerd Schäfer haben Sie eine gut organisierte Nephrologie samt Dialysezentrum übernommen.

Das stimmt. Wir haben ein paar Facetten weiterentwickelt. Wir haben das Gebiet der Nierenbiopsien und die Nachsorge für Transplantationspatienten ausgebaut.

Zum Thema Rheuma. Sie hatten beim Amtsantritt in Offenbach angekündigt, dass Sie das Fachgebiet am Klinikum etablieren und ein Netzwerk aufbauen wollen. Wie weit sind Sie gekommen?

Wir haben regelmäßig stationäre Rheumapatienten auf unserer Station, am Klinikum hat sich ein Kollege niedergelassen, der Nephrologe und Rheumatologe ist. Außerdem gibt es spezielle RheumaSprechstunden. Wir veranstalten regelmäßig das Offenbacher Rheumaforum als Fortbildung für niedergelassene Ärzte und die Ärzte im eigenen Klinikum. Wir arbeiten Pflegekräfte und eine Krankengymnastin in diese Materie ein.

Wird die Rheumatologie am Klinikum ausgeweitet?

Der Bedarf ist da. Die Wartezeiten im ambulanten Bereich sind lang, doch dort wird die Rheumatologie kaum vergütet. Der niedergelassene Kollege bekommt für einen Patienten pro Quartal rund 27 Euro. Jeder Waschmaschinentechniker kriegt in der Stunde sicher mehr als das Doppelte. Seit Herbst 2008 hat das Klinikum die Zulassung für spezielle Rheuma-Behandlungen. Aber auf dem Medizinmarkt gibt es strenge Spielregeln: Wer darf ambulant, wer stationär behandeln?

Ihre Professur ist mit einer Lehrtätigkeit in Hannover verbunden.

Ich halte dort seltener Vorlesungen, sondern die Studenten kommen vielmehr zum Blockpraktikum von der Medizinischen Hochschule Hannover nach Offenbach: dreimal im Jahr zwei Studenten für je drei Wochen.

Sie haben zwei Töchter, neun und elf Jahre alt. Wir bringen Sie Ihre beruflichen Verpflichtung und Ihre Familie unter einen Hut?

Im Moment managt mein Mann viel. Er vertritt einen Leitenden Oberarzt in einer Augenklinik in Karlsruhe. Dort ist er eine halbe Woche, die andere Hälfte ist er komplett zu Hause. Außerdem haben wir eine festangestellte Haushaltshilfe.

Müssen Sie dennoch Abstriche machen?

Ja, natürlich sähe ich die Familie gerne mehr. Tatsächlich habe ich auch einige wissenschaftliche Möglichkeiten nicht wahrgenommen. Ich hätte im Januar einen Vortrag in Tokio halten sollen. Da wäre sicher jeder männliche Kollege eher hingefahren. Wichtig ist es, die gute Laune zu behalten, damit man sie weitergeben kann.


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