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Hausarzt - eine aussterbende Spezies? (29.04.2009)

KÖTHEN/MZ. \"Sterben wir aus?\", fragte Andreas Petri irgendwann rhetorisch wirksam das Publikum. Unter \"wir\" meinte er die Hausärzte: als niedergelassener Mediziner mit einer Praxis in Gröbzig ist er einer von ihnen. Der Antwort auf diese Frage diente ein knapp einstündiges Referat Petris vor CDU-Senioren am Donnerstagabend in der Creperie Lorette in Köthen. \"Der Hausarzt - eine aussterbende Spezies?\" hieß der Vortrag, und der volle Saal war ein deutliches Zeugnis für das Interesse der Senioren an dem aktuellen Thema.

Die CDU-Senioren luden Andreas Petri als sachkundigen Partner nicht zuletzt deshalb ein, weil er über seine medizinische Tätigkeit hinaus zwei verantwortungsvolle Ehrenämter bekleidet. Der Gröbziger ist Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts (KVSA) und Vorsitzender des Hausärzte-Landesverbandes. Deshalb hat der Arzt auch einen umfassenden Überblick über die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt.

Um es vornweg zu nehmen: Die in seinem Thema enthaltene Frage hat der Referent zum Schluss seiner Ausführungen mit Nein beantwortet - auch wenn die Situation mit den Hausärzten vor allem in ländlichen Gebieten nicht rosig ist. Während bei der Zahl der Fachärzte im Landkreis Anhalt-Bitterfeld von 1997 bis 2005 ein Zugang um 25 Prozent zu verzeichnen war, ging die Zahl der Hausärzte im selben Zeitraum um mehr als 16 Prozent zurück. Im Planungsbereich Köthen (Altkreis Köthen) sank die Zahl der Hausärzte, die einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung haben, von 1997 bis jetzt um mehr als sieben Prozent.

Die Hausärzte werden auch immer älter, so Petri. Betrug ihr Durchschnittsalter im Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Jahre 1997 noch 46,5 Jahre, so liegt es gegenwärtig bei 51,6 Jahren. Ähnlich ist die Entwicklung im Altkreis Köthen. Insgesamt gibt es im Alt-Kreis Köthen 39 Hausärzte, 25 von ihnen haben eine eigene Praxis, 14 arbeiten in Gemeinschaftspraxen.

Zwar mildert der allgemeine Bevölkerungsrückgang die Auswirkungen der zurückgehenden Zahl der Hausärzte ab. Andererseits würden die Menschen im Durchschnitt auch immer älter, so dass der Bedarf an medizinischen Leistungen steigt.

\"Im Vergleich zu manchen anderen Regionen von Sachsen-Anhalt ist die medizinische Versorgung im Alt-Kreis Köthen gut\", unterstrich der Referent. Er sprach von Gegenden, in denen die Lage \"desaströs\" sei. Um Köthen herum gebe es immerhin mehrere Krankenhäuser.

Die sinkende Zahl der niedergelassenen Allgemeinärzte wirke sich aber auch hier negativ aus, zum Beispiel beim Notdienst. So können die wenigen Hausärzte im Raum Radegast-Gölzau-Quellendorf seit einem halben Jahr keinen Notdienst bieten.

\"Auch wir fünf Hausärzte im Raum Edderitz-Gröbzig-Görzig werden mit dem Notdienst nicht lange durchhalten\", meinte Petri. In den nächsten vier bis fünf Jahren rechnet er mit dem Ausscheiden von weiteren zehn Kollegen aus dem Berufsleben.

Bei der Frage, warum sich die Situation mit den Hausärzten in den neuen Bundesländern verschlechtert, meinte Andreas Petri, diese Tätigkeit sei für den medizinischen Nachwuchs nicht attraktiv genug. So sei zum einen die Arbeitsbelastung hoch: Sachsen-Anhalts Haus- und Fachärzte versorgen 120 bis 130 Prozent der Patienten einer vergleichbaren Praxis in den alten Bundesländern. Zugleich liege das Einkommen der Mediziner deutlich unter dem in den alten Ländern. Dies sei für viele frisch ausgebildete Mediziner, die Kinder haben wollen und die Familie versorgen müssen, Grund genug, dorthin zu gehen, wo sie mehr Geld bekommen.

Das Problem sei bekannt, und es gebe bereits Vorstellungen, wie der medizinische Nachwuchs in die neuen Ländern, und speziell in ländliche Gebiete gelockt werden könne. Als Beispiel nannte Petri unter anderem Mindestumsatz-Garantien und verschiedenartige Unterstützungen niedergelassener Ärzte durch Kommunen.

Nach dem Vortrag gab es nicht nur Beifall für Andreas Petri, sondern auch eine lebhafte Diskussion. So stellte Jörg Krause, Hausarzt in Köthen, als Illustration zu den Ausführungen Petris ebenfalls eine Frage an die Zuschauer. \"Was denken Sie, wie viele Patienten ein Hausarzt am Tag hat?\", rief er. \"30, 40\", lauteten Schätzungen im Saal. \"Ich hatte 136\", erklärte Krause, der neben seiner Praxis auch für einen erkrankten Kollegen eingesprungen ist.

Fragen gab es auch seitens der anwesenden Senioren. Warum gibt es keine Gemeindeschwester, wie zu DDR-Zeiten. Was hält Petri vom Medizinischen Versorgungszentrum (MFZ), das am Krankenhaus Köthen ausgebaut wird? Setze dieses die Hausärzte nicht zusätzlich unter Druck?

Von der Wiedereinführung des Gemeindeschwester-Jobs hält Petri nichts. Dies würde nur weitere Kosten verursachen, und außerdem bieten heute private Pflegedienste ähnliche Leistungen, so der Referent. Die Schaffung eines MVZ beim Köthener Krankenhaus findet Petri nicht gut. \"Wir Niedergelassenen könnten auch so ein Zentrum gründen, das wäre sinnvoller\", meinte er.
KÖTHEN/MZ. \"Sterben wir aus?\", fragte Andreas Petri irgendwann rhetorisch wirksam das Publikum. Unter \"wir\" meinte er die Hausärzte: als niedergelassener Mediziner mit einer Praxis in Gröbzig ist er einer von ihnen. Der Antwort auf diese Frage diente ein knapp einstündiges Referat Petris vor CDU-Senioren am Donnerstagabend in der Creperie Lorette in Köthen. \"Der Hausarzt - eine aussterbende Spezies?\" hieß der Vortrag, und der volle Saal war ein deutliches Zeugnis für das Interesse der Senioren an dem aktuellen Thema.

Die CDU-Senioren luden Andreas Petri als sachkundigen Partner nicht zuletzt deshalb ein, weil er über seine medizinische Tätigkeit hinaus zwei verantwortungsvolle Ehrenämter bekleidet. Der Gröbziger ist Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts (KVSA) und Vorsitzender des Hausärzte-Landesverbandes. Deshalb hat der Arzt auch einen umfassenden Überblick über die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt.

Um es vornweg zu nehmen: Die in seinem Thema enthaltene Frage hat der Referent zum Schluss seiner Ausführungen mit Nein beantwortet - auch wenn die Situation mit den Hausärzten vor allem in ländlichen Gebieten nicht rosig ist. Während bei der Zahl der Fachärzte im Landkreis Anhalt-Bitterfeld von 1997 bis 2005 ein Zugang um 25 Prozent zu verzeichnen war, ging die Zahl der Hausärzte im selben Zeitraum um mehr als 16 Prozent zurück. Im Planungsbereich Köthen (Altkreis Köthen) sank die Zahl der Hausärzte, die einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung haben, von 1997 bis jetzt um mehr als sieben Prozent.

Die Hausärzte werden auch immer älter, so Petri. Betrug ihr Durchschnittsalter im Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Jahre 1997 noch 46,5 Jahre, so liegt es gegenwärtig bei 51,6 Jahren. Ähnlich ist die Entwicklung im Altkreis Köthen. Insgesamt gibt es im Alt-Kreis Köthen 39 Hausärzte, 25 von ihnen haben eine eigene Praxis, 14 arbeiten in Gemeinschaftspraxen.

Zwar mildert der allgemeine Bevölkerungsrückgang die Auswirkungen der zurückgehenden Zahl der Hausärzte ab. Andererseits würden die Menschen im Durchschnitt auch immer älter, so dass der Bedarf an medizinischen Leistungen steigt.

\"Im Vergleich zu manchen anderen Regionen von Sachsen-Anhalt ist die medizinische Versorgung im Alt-Kreis Köthen gut\", unterstrich der Referent. Er sprach von Gegenden, in denen die Lage \"desaströs\" sei. Um Köthen herum gebe es immerhin mehrere Krankenhäuser.

Die sinkende Zahl der niedergelassenen Allgemeinärzte wirke sich aber auch hier negativ aus, zum Beispiel beim Notdienst. So können die wenigen Hausärzte im Raum Radegast-Gölzau-Quellendorf seit einem halben Jahr keinen Notdienst bieten.

\"Auch wir fünf Hausärzte im Raum Edderitz-Gröbzig-Görzig werden mit dem Notdienst nicht lange durchhalten\", meinte Petri. In den nächsten vier bis fünf Jahren rechnet er mit dem Ausscheiden von weiteren zehn Kollegen aus dem Berufsleben.

Bei der Frage, warum sich die Situation mit den Hausärzten in den neuen Bundesländern verschlechtert, meinte Andreas Petri, diese Tätigkeit sei für den medizinischen Nachwuchs nicht attraktiv genug. So sei zum einen die Arbeitsbelastung hoch: Sachsen-Anhalts Haus- und Fachärzte versorgen 120 bis 130 Prozent der Patienten einer vergleichbaren Praxis in den alten Bundesländern. Zugleich liege das Einkommen der Mediziner deutlich unter dem in den alten Ländern. Dies sei für viele frisch ausgebildete Mediziner, die Kinder haben wollen und die Familie versorgen müssen, Grund genug, dorthin zu gehen, wo sie mehr Geld bekommen.

Das Problem sei bekannt, und es gebe bereits Vorstellungen, wie der medizinische Nachwuchs in die neuen Ländern, und speziell in ländliche Gebiete gelockt werden könne. Als Beispiel nannte Petri unter anderem Mindestumsatz-Garantien und verschiedenartige Unterstützungen niedergelassener Ärzte durch Kommunen.

Nach dem Vortrag gab es nicht nur Beifall für Andreas Petri, sondern auch eine lebhafte Diskussion. So stellte Jörg Krause, Hausarzt in Köthen, als Illustration zu den Ausführungen Petris ebenfalls eine Frage an die Zuschauer. \"Was denken Sie, wie viele Patienten ein Hausarzt am Tag hat?\", rief er. \"30, 40\", lauteten Schätzungen im Saal. \"Ich hatte 136\", erklärte Krause, der neben seiner Praxis auch für einen erkrankten Kollegen eingesprungen ist.

Fragen gab es auch seitens der anwesenden Senioren. Warum gibt es keine Gemeindeschwester, wie zu DDR-Zeiten. Was hält Petri vom Medizinischen Versorgungszentrum (MFZ), das am Krankenhaus Köthen ausgebaut wird? Setze dieses die Hausärzte nicht zusätzlich unter Druck?

Von der Wiedereinführung des Gemeindeschwester-Jobs hält Petri nichts. Dies würde nur weitere Kosten verursachen, und außerdem bieten heute private Pflegedienste ähnliche Leistungen, so der Referent. Die Schaffung eines MVZ beim Köthener Krankenhaus findet Petri nicht gut. \"Wir Niedergelassenen könnten auch so ein Zentrum gründen, das wäre sinnvoller\", meinte er.


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