. .

Erfahren Sie die aktuelle Neuigkeiten

Aktuelle News hier!


Fusion mit dem Klinikverbund Südwest? (04.05.2009)

orb/Freudenstadt/Sindelfingen. Heinz Hornberger, der Vorsitzende der Freudenstädter CDU-Kreistagsfraktion, hat Ende Februar im Exklusiv-Interview mit der SÜDWEST PRESSE vorgeschlagen: „Die Kreiskrankenhaus-Gesellschaft muss erneut Kooperationen oder eine Verbund-Lösung anstreben. Und da gibt‘s realistischer Weise nur das Klinikum Südwest, also den Verbund der Krankenhäuser aus Calw, Nagold, Böblingen und Sindelfingen. Wir müssen neue Verhandlungen aufnehmen.“

Das ist inzwischen geschehen. Es gab ein Gespräch auf Landrats-Ebene – zwischen Peter Dombrowsky und seinem Calwer Kollegen Hans-Werner Köblitz, der dem Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest vorsitzt. Und die Geschäftsführer Rainer Schmidhuber (Freudenstadt) und Dr. Gunther Weiß (Klinikverbund) haben sich ebenfalls einmal getroffen.

Die Gespräche seien „sehr offen“ und „in konstruktiver Atmosphäre“ geführt worden, berichtete Weiß auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Dombrowsky und Schmidhuber ihre beiden Klinik-Standorte erhalten wollten und sich „sehr viele Gedanken machen, wie sie Horb und Freudenstadt weiterentwickeln können“.

Schon im Jahr 2005 hatte es Gespräche zwischen den Klinik-Führungen gegeben – mit dem Ergebnis, dass sich am 1. Januar 2006 der Klinikverbund Südwest gegründet und die Freudenstädter Kreiskrankenhaus-Gesellschaft alleine weitergemacht hat. Der Klinikverbund hat seither an seinen Krankenhaus-Standorten medizinische Schwerpunkte gesetzt und sie ausgebaut – heute schreibt er eine „schwarze Null“. Geschäftsführer Weiß betont: „Das ist eine Team-Leistung der Mitarbeiter.“

Im Kreis Freudenstadt wurde im selben Zeitraum der Standort Freudenstadt ausgebaut und das Leistungs-Angebot in Horb – abgesehen von der Geriatrischen Reha – abgebaut. Das Ergebnis: 5 Millionen Euro Minus im Jahr.

Klinikverbunds-Geschäftsführer Gunther Weiß hat sich bei der „Horber Gesundheitsmesse“ das Hospital angesehen. Oberstes Gebot müsse es in Horb sein, dass die Bevölkerung ihr Krankenhaus anerkenne, sagt er. Und ein Krankenhaus sei dann ein Krankenhaus, wenn es rund um die Uhr offen habe. Es gehöre eine „starke Innere Abteilung mit Chefarzt“ dazu und „möglichst ein chirurgisches Angebot, das am besten auch rund um die Uhr besteht“.

Zur Erinnerung: Horb hat keinen Chefarzt in der Inneren Abteilung mehr. Es gibt einen leitenden Oberarzt, der bis zu 28 Tage am Stück pausenlos Dienst tun und in Rufbereitschaft sein musste. Die nächtliche OP-Bereitschaft ist im Jahr 2006 abgeschafft worden und mit ihr die Geburtshilfe-Abteilung mit drei Beleg-Frauenärzten, die gerne weitergemacht hätten.

Die Vision

Die 1500 Patienten pro Jahr, die in Horb offenbar zuletzt noch behandelt wurden, seien „verdammt wenig“, stellte Weiß fest. Einfach nur die Kosten zu senken, sei nicht sinnvoll. „Ich habe den Eindruck, dass Management hat das verstanden“, sagt der Geschäftsführer des benachbarten Klinikverbundes und erklärt mit Blick auf den Krankenhaus-Standort Horb: „Es gehören auch ein paar Investitionen dazu.“ Als Möglichkeiten nannte er die Technik zur Computer- und Kernspin-Tomographie.

„Die Leute müssen das Haus wieder als vollwertiges Krankenhaus sehen“, sagt Gunther Weiß. Er bewertet es als positiv, dass sich in Horb ein Verein für das Hospital gegründet hat. Das sei auch in Calw geschehen, berichtet er. „Die Mitglieder sind heute unsere größten Unterstützer.“ Die Horber Bevölkerung müsse für das Krankenhaus gewonnen werden. Es gelte nachzufragen, was für Leistungen die Bürger wollen.

Eine der grundlegenden Einsichten des Geschäftsführers lautet: „Die Patienten kommen zum Arzt…“ Folglich müsse eine Klinik „gute motivierte Ärzte“ haben, „die man nicht vergraulen darf“. Gunther Weiß betont: „Man muss manchmal auch in Ärzte investieren. […] Das Horber Krankenhaus braucht wieder Chefärzte, damit die Leute da hingehen.“

Die Jahrhunderte alte Tradition des Hospitals sei „viel wert“, findet Weiß. „Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern muss.“ Und: Mit niedergelassenen Ärzten müsse eine Art Sicherheitsnetz gebildet werden. Dazu sei Ehrlichkeit in der Zusammenarbeit mit ihnen notwendig. Die Devise müsse lauten: „Leben und leben lassen.“

Aus Sicht des Klinikverbund-Geschäftsführers ist für Horb ein „Haus der Grundversorgung“ angemessen. Genau das war es übrigens, bevor der Leistungsabbau begonnen hat.

Der Auftrag

Hinter diesen Überlegungen von Gunther Weiß bezüglich des Hospitals stehen offenbar die Prinzipien, mit denen die Krankenhäuser im Klinikverbund Südwest entwickelt worden sind und weiterentwickelt werden. Die Betriebswirtschaftslehre müsse teilweise hinten anstehen, wenn es um eine wohnortnahe Krankenhaus-Versorgung der Bevölkerung gehe, sagt Weiß. Jeder Klinik-Standort müsse eine Grundsubstanz aufweisen, so dass die Bürger hin könnten, wenn beispielsweise der Kreislauf unten oder die Diabetes entgleist sei. Das sei der gesellschaftspolitische Auftrag, der ihm vorgegeben sei, sagt Weiß. Zudem müssten „besondere Angebote“ gemacht werden – das empfiehlt er auch für das Horber Hospital.

Die Voraussetzungen

Aufgrund der Zielsetzung, den Landkreisen eine flächendeckende medizinische Versorgung zu ermöglichen, könne es dem Klinikverbund nicht egal sein, wie es anderen Kreiskrankenhäusern in der Nähe gehe – selbst wenn eine Fusion unter reinen Wettbewerbs-Gesichtspunkten nicht anzustreben sei, sagt Gunther Weiß – wie im Horber Fall: „Viele Patienten aus der Raumschaft kommen schon heute zu unseren Ärzten.“

Als Vorteil bei einer möglichen Fusion sieht der Geschäftsführer die medizinischen Schwerpunktsetzungen – in Freudenstadt die Kardiologie (Linksherzkatheter) und das Mutter-Kind-Zentrum, in Nagold das Bauch-Zentrum und die Urologie. Der Freudenstädter Kardiologe Dr. Uwe Helber genieße beispielsweise einen sehr guten Ruf, sagt Gunther Weiß: „Da wandern uns teilweise Patienten nach Freudenstadt ab.“

Strukturell habe der Klinikverbund schon bei seiner Gründung an den Landkreis Freudenstadt gedacht, erzählt der Geschäftsführer. Der Gesellschaftervertrag sei so abgefasst, dass kein neuer Grundsatzbeschluss erforderlich werde, falls die Krankenhaus-Standorte des Landkreises Freudenstadt irgendwann in den Südwest-Verbund integriert werden sollten.


Zur News Seite