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Praktisches Jahr: Was man darüber wissen sollte (08.05.2009)

Die Anmeldung zum PJ sollte frühzeitig erfolgen (Meldefristen der Landesprüfungsämter beachten). Hinsichtlich der Anmeldung ist es möglich, Wünsche bezüglich des Wahlfaches und des Ortes anzugeben. Die Methode der Verteilung des Wahlfaches variiert von Uni zu Uni; oft entscheidet ein Losverfahren. Der PJ-Platz wird dann über ein Verteilungsverfahren der einzelnen Universitäten zugewiesen, wobei nur diejenigen Studenten in das Verfahren eingebunden werden, die sich an der jeweiligen Uni immatrikuliert haben. Sind nach Abschluss des Verteilungsverfahrens noch PJ-Plätze frei, besteht auch für auswärtige Bewerber die Chance auf einen PJ-Platz.

Da Medizinstudenten im Praktischen Jahr rein rechtlich noch Studenten sind, erfolgt die Tätigkeit unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes. Die Teilnahme am Nachtdienst (maximal zweimal im Monat) und am Wochenenddienst (maximal einmal im Monat) ist zwar nicht Pflicht, aber dringend zu empfehlen. Ansonsten sollte die Arbeitszeit der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit im öffentlichen Dienst entsprechen. Dies sind zurzeit 38,5 Stunden (West) und 40 Stunden (Ost) pro Woche. Eine längere Arbeitszeit ist zwar gestattet, als Ausgleich sollte aber eine entsprechende Freistellung erfolgen.

Der PJ-Student muss sich – wie in den Semestern davor – an der Uni zurückmelden. Dies gilt insbesondere für das letzte Semester (im Regelfall das zwölfte). Auch wenn viele Studenten zu dieser Zeit im Ausland oder an Akademischen Lehrkrankenhäusern sind, sollten sie die Rückmeldung nicht vergessen. Die Frage, ob man an der Uniklinik oder einem Akademischen Lehrkrankenhaus sein PJ absolvieren soll, hängt von den beruflichen Plänen und der Motivation des Einzelnen ab (zum Beispiel ob man eine akademische Karriere im Auge hat). Viele PJler waren jedoch an den Lehrkrankenhäusern zufriedener als an den Unikliniken.

Zum Praktischen Jahr kann man problemlos noch einmal die Universität wechseln. Viele Universitäten haben gute Broschüren, in denen sich die einzelnen Lehrkrankenhäuser mit ihren Angeboten vorstellen. Bitte bedenken: Als Medizinstudent im Praktischen Jahr sitzt man in keiner Vorlesung und belegt dementsprechend keine Kurs- oder Seminarplätze. Die Studenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass sich die Kliniken in der Regel über die billigen Arbeitskräfte freuen. Darüber hinaus beziehen sie für jeden PJler eine gewisse Summe Geld. Damit sollen Stellen (Assistenten oder Oberarzt) zur Ausbildung der Studenten finanziert werden. Leider merkt man davon aber nur an wenigen Krankenhäusern etwas. Fortbildungen sind deshalb oft schlecht oder unzureichend gestaltet.

Von einer recht beliebten Vorstellung sollte sich der Medizinstudent nach den Erfahrungen zahlreicher Studenten verabschieden: der gleichzeitigen Fertigstellung der Doktorarbeit. Wenn man vor Beendigung seines Studiums seine Promotion abgeschlossen haben will, sollte man lieber vor dem Start des Praktischen Jahres ein Urlaubssemester nehmen und dann gleichsam „unbelastet“ ins letzte Studienjahr starten. Dies gilt insbesondere dann, wenn man mindestens ein Tertial im Ausland absolvieren will.

Ein Überblick über die beliebtesten Auslandsziele deutscher Medizinstudenten:


Australien/Neuseeland
Schon aus finanziellen Gründen wird für viele Australien ein Traum bleiben, denn die meisten Universitäten verlangen horrende Studiengebühren. Dabei gibt es jedoch an den meisten Hochschulen die Möglichkeit, für einen kurzen Zeitraum (meist maximal acht Wochen) eine Stelle zu bekommen. Die Gebühren hierfür sind wesentlich geringer. Will man unbedingt nach Australien, sollte überlegt werden, eventuell ein Tertial zu splitten. Eine Stelle in Neuseeland zu bekommen hängt nicht so sehr von der finanziellen Situation als vielmehr von purem Glück ab. Es gibt hier nur zwei medizinische Hochschulen: Auckland auf der Nord- und Dunedin (University of Otago) auf der Südinsel. Letztere unterhält als „Außenstelle“ Ausbildungseinrichtungen in Christchurch und Wellington. An der Medical School of Wellington gibt es spezielle Ausbildungsprogramme. Hier kann man 16 Wochen arbeiten, muss dafür allerdings Studiengebühren entrichten, deren Höhe in den letzten Jahren angehoben wurde. Sich an der University of Auckland direkt zu bewerben ist ziemlich aussichtslos. Besonders hilfreich können hier Referenzen sein. Wer gerne ans andere Ende der Welt möchte, sollte sich jedoch nicht entmutigen lassen. Für Australien und Neuseeland gilt in besonderem Maß, dass man sich gut zwei Jahre vor dem geplanten Zeitraum bewerben sollte.

USA
Die bürokratischen Hürden sind groß, aber neben einer in aller Regel sehr guten und praxisorientierten Ausbildung verlocken in den Staaten Eindrücke, die nicht nur das Medizinerleben prägen können. Hauptproblem ist es, eine Stelle zu bekommen. Es kommt also entscheidend auf die Bewerbung an. Neben dem konventionellen Weg (Bewerbung direkt bei der Medical School – dean’s office) gibt es auch die Möglichkeit, zum Beispiel über den Doktorvater oder andere Professoren an der Uniklinik, von denen viele wissenschaftliche Kontakte in die USA pflegen, Hilfe bei der Vermittlung einer PJ-Stelle zu bekommen. In einigen Bundesstaaten gibt es für deutsche PJ-Studenten Sonderregelungen. So darf man zum Beispiel in den Krankenhäusern des Staates New York maximal zwölf Wochen verbringen (Famulaturen werden auch dazugerechnet). Genaue Informationen über eventuell bestehende Zugangsbeschränkungen (die sich im Übrigen häufig kurzfristig ändern können) oder andere Vorbedingungen erhält man mit den Bewerbungsvordrukken von der jeweiligen Medical School. Es ist nicht notwendig, vor einem PJ-Tertial in den USA das amerikanische Medizinerexamen (USMLE) absolviert zu haben. Allerdings steigen die Chancen auf einen der begehrten Plätze erheblich, wenn man wenigstens den ersten Teil der Prüfung vorweisen kann. Für einen PJ-Aufenthalt in den USA ist ein J1-Visum erforderlich. Informationen erteilt die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika (www.usembassy.de). Da die Bearbeitung des Antrages meh- rere Monate dauern kann, sollte man sich rechtzeitig um sein Visum kümmern. Neben dem ausgefüllten Formular müssen in der Regel noch der Reisepass, ein Passbild, ein Rückumschlag, ein Nachweis der Rückkehrwilligkeit (Studienbescheinigung genügt), ein Nachweis finanzieller Unabhängigkeit von Jobs in den USA (zum Beispiel Kopie eines gut gefüllten Sparbuches), ein Bescheid der Medical School sowie ein Kontoauszug mit der Abbuchung der Visagebühr eingereicht werden. Die Unterbringung während eines PJ-Tertials in den USA ist meist direkt über die Medical School in einem Wohnheim möglich.


Schweiz
Die Schweiz ist der absolute „Renner“ unter den Auslandszielen für PJ-Studenten. Eine Bewerbung in der deutschsprachigen Schweiz ist an das Sekretariat des Abteilungsleiters der Universitäts-Lehrkrankenhäuser zu richten. Die PJ-Plätze in der französischsprachigen Schweiz werden hingegen zentral vergeben. Interessenten sollten sich an die Universitäten in Lausanne oder Genf wenden. Auch hier gilt, dass vor Antritt eines Tertials unbedingt das zuständige Landesprüfungsamt konsultiert werden sollte. Das Äquivalent zum PJ ist die Unterassistenz. Deutsche Studenten werden dabei sehr gerne genommen. Schließlich gehen die Schweizer in ihrem vierten Studienjahr in die Kliniken, haben also einen einjährigen „Ausbildungsnachteil“ den deutschen Bewerbern gegenüber. Besonders beliebt ist die Schweiz auch deshalb, weil an den meisten Kliniken die Unterassistenz mit einer Bezahlung (circa 600 bis 1 000 Schweizer Franken im Monat) oft mit der Bereitstellung eines Zimmers oder der kostenfreien Verpflegung verbunden ist. Eine Ausnahme bilden der Kanton Zürich und die Stadt Zürich, die nur den eigenen Studenten die Unterassistenz vergüten. Unbedingt beachtet werden muss, dass für deutsche Studenten eine Aufenthaltsbewilligung durch die Fremdenpolizei erforderlich ist.

Großbritannien
Auch in Großbritannien ist es nicht leicht, einen PJ-Platz zu bekommen. Gleichwohl ist die Beliebtheit der Insel bei deutschen Studenten groß. Auch hier erwartet einen der bekannt hohe Praxisbezug der Medizinerausbildung der englischsprachigen Länder mit einer ausgesprochenen guten Lehr- und Lernatmo-sphäre in den Hospitals. Noch spät nachts wird bei Aufnahme eines Patienten mit einem interessanten Krankheitsbild rasch ein „teaching“ angehängt mit Erläuterung des pathophysiologischen Hintergrundes und vor allem mit Diskussion des praktischen Vorgehens. Sehr viel weniger als in Deutschland werden „final year students“ für Routinearbeiten wie Blutabnahmen oder Braunülen legen herangezogen. Dafür kommt man schneller an die selbstständige Erledigung von praktischen Tätigkeiten. Für die Bewerbung gilt: Je weiter weg der gewählte Ort von großen Zentren ist, desto leichter ist es, einen Platz zu bekommen. Häufig werden von den Krankenhäusern Zeiträume von vier bis acht Wochen angeboten, sodass eine Kombination von Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäusern angestrebt werden muss. Bei der Bewerbung sollte man ein bis zwei Empfehlungsschreiben deutscher Professoren mitschicken.

Südafrika
Südafrika ist als PJ-Land nicht nur wegen seines „interessanten“ Patientengutes in Chirurgie und Notaufnahme sowie reichlicher praktischer Betätigungsmöglichkeiten sehr beliebt. Mittlerweile sind aber die großen, attraktiven Städte wie Kapstadt schon sehr mit ausländischen Medizinstudenten überlaufen. Dadurch ist dort in einigen Kliniken der große Reiz der praktischen Ausbildung schon deutlich geringer geworden. Neben medizinischen Erfahrungen sind in Südafrika vor allem die landschaftlichen Eindrücke verlockend. Dagegen wird die zum Teil mäßige öffentliche Sicherheit in den großen Städten von den meisten als Minuspunkt angeführt. Nummer eins in der Beliebtheitsskala unter den südafrikanischen Städten ist Kapstadt. Insbesondere hier, aber auch für PJ-Tertiale in Johannesburg gilt: sehr früh bewerben (circa 1,5 Jahre im Voraus). Die Bewerbung kann formlos erfolgen.
Zu beachten ist, dass man mit Studiengebühren zu rechnen hat, die meist im Voraus zu entrichten sind. Dafür sind die Unterkünfte, die über die Krankenhäuser vermittelt werden, oft sehr preiswert. Wenn möglich, sollte man einen Zeitraum für die PJ-Zeit in Südafrika wählen, die den Monat Dezember einschließt. Denn in diesem Monat haben die einheimischen Studenten Ferien. Somit bestehen für externe Studenten bessere Möglichkeiten zur praktischen Betätigung und Einbindung in den Versorgungsablauf. Sprachlich kommt man in Südafrika mit Englisch gut aus. Da die öffentlichen Verkehrsmittel in den meisten Städten schlicht insuffizient sind, empfiehlt es sich, für die PJ-Zeit ein Auto zu kaufen und es anschließend wieder zu verkaufen. JF

(Informationen entnommen aus: PJ-Kompass, herausgegeben vom Marburger Bund)

Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 51-52 vom 20.12.2004


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