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Hoppe zum Ärztetag: Behandlung nach heutigem Wissensstand nicht mehr für jeden gewährleistet (02.06.2009)

Frage: Ist die \"ausreichende und zweckmäßige\" Behandlung der Patienten, wie sie das Sozialgesetzbuch vorsieht, derzeit noch gewährleistet?

Hoppe: Nein, eine der individuellen Notwendigkeit entsprechende Behandlung nach dem heutigen Wissensstand der Medizin ist nicht mehr für jeden gewährleistet. Durch die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens gibt es spürbare Unterschiede, auch innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, je nach Kasse. Aber vor allem zu den selbstzahlenden Patienten ist eine Kluft entstanden, weil das Leistungsspektrum dort nicht begrenzt ist. Diese Situation hat sich allmählich entwickelt, wir sprechen deshalb von schleichender Rationierung. Und sie macht uns Ärzten wirklich Sorgen, weil wir es sind, die den Patienten sagen, was geht und was nicht.

Frage: Die Politik verweist darauf, dass ein Arzt in Deutschland immer noch deutlich weniger Patienten betreut als in anderen Ländern. Wären also weniger Ärzte auch genug?

Hoppe: Die Angaben sind falsch. Man darf nicht von der Zahl aller registrierten Mediziner, circa 420 000, ausgehen, sondern muss die Zahl der aktiven, also berufstätigen Ärzte betrachten, das sind derzeit etwa 320 000. Man muss auch sehen, dass durch die Feminisierung des Arztberufs viele in Teilzeit arbeiten. Sinnvoll wäre also ein Vergleich der Arztstundenzahlen. Und natürlich gehen Patienten in Deutschland häufiger zum Arzt als in anderen Ländern, wo etwa die geographischen Bedingungen ungünstiger oder die Wege weiter sind. Das Niveau, das wir noch erreichen, würden wir gern erhalten, dafür reichen aber die vorhandenen finanziellen Mittel nicht mehr.

Frage: Halten Sie Patienten in Deutschland für zu anspruchsvoll?

Hoppe: Nein, bei uns hat sich eine Gesundheitskultur entwickelt, auf die die Bürger nicht verzichten wollen. In allen Umfragen sagen die Menschen, sieInterview möchten keine Einschränkungen in der Versorgung hinnehmen, sie würden eher Beitragserhöhungen akzeptieren.

Frage: Aber gerade auf dem Land - wie etwa in der rheinland-pfälzischen Eifel - droht Ärztemangel...

Hoppe: In bestimmten Gegenden ist unbestreitbar, dass Arztsitze nicht wiederbesetzt werden können, vor allem in den nördlichen neuen Bundesländern. Aber auch entlang der niederländischen Grenze - so auch in der Eifel - ist der Mangel eklatant. Viele Krankenhäuser bekommen keine Ärzte aus deutschen Universitäten mehr. Inzwischen kommen Mediziner aus den neuen EU-Ländern - sie sind fachlich formal gleich qualifiziert, aber es gibt natürlich bisweilen Verständigungsprobleme.

Frage: Die Weltwirtschaftskrise, so wird befürchtet, könnte ein weiteres drei Milliarden-Euro-Loch in den Gesundheitsetat reißen, welche Auswirkungen erwarten Sie?


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