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Letzter Ausweg Klinikprivatisierung (21.09.2009)

Mit dem Stolz eines Nobelpreisträgers posiert Volkhard Fiedler, ärztlicher Direktor des Helios-Klinikums Krefeld, vor der neuesten Anschaffung des Hauses: einem Hochleistungscomputertomografen mit extrem hoher Auflösung für den Scan von Kopf bis Fuß. Für die gestochen scharfen Bilder müssen die Patienten nicht einmal in die gefürchtete Röhre geschoben werden. \"Spitzenmedizin braucht Spitzenwerkzeug\", sagt Geschäftsführer Reiner Micholka.
Rund 10 Mio. Euro investierte Helios in den diagnostischen Gerätepark: Neben dem Hochleistungs-CT wurde ein Magnetresonanztomograf (MRT) angeschafft, eine Angiografie-Einheit zur Diagnose von Gefäßveränderungen und eine Kombination aus Protonen-Emissionstomograf und CT.
Die euphorische Technikschau in Krefeld grenzte für die Belegschaft des Krankenhauses an ein Wunder. Die Mitarbeiter des zuvor kommunalen Hauses haben andere Zeiten erlebt. Quälende Debatten über Notlagentarifverträge und Klinikschließungen, die Zukunft des angeschlagenen städtischen Maximalversorgers stand ganz infrage. \"Im Herbst hieß es, die Gehälter würden nur noch bis November gezahlt\", sagt Rudolf Leuwer, Direktor der HNO-Klinik. \"Ein Wechselbad der Gefühle. Man war nur noch mit trösten beschäftigt.\"

Private Investoren als plausible Alternative
Im Dezember dann erwarb Helios das Haus - und brachte eine Beschäftigungsgarantie für drei Jahre, übernahm Schulden und räumte der Stadt eine Sperrminorität ein. Vor allem aber brachte der neue Eigentümer Geld mit: Millionen für Neubauten, Medizintechnik und Gehälter. Die Zeit der tröstenden Worte ist vorbei. \"Jeder in Krefeld kann sehen, dass sich hier etwas tut\", sagt Leuwer.
Es ist noch nicht lange her, dass sich Ärzte und Schwestern kommunaler Kliniken erbittert gegen übernahmefreudige private Klinikketten stemmten. Sie fürchteten um Tarife und Mitspracherechte. Privatwirtschaftliches Renditestreben gefährde den medizinischen Versorgungsauftrag, warnten Ärztevertreter. Nicht zuletzt die absehbaren Folgen der Wirtschaftskrise aber lassen viele Mediziner in diesen Tagen umdenken.
Bei leeren öffentlichen Kassen gerät das Engagement privater Investoren zur plausiblen Alternative. Wie in Berlin, wo der Präsident der Freien Universität (FU), Dieter Lenzen, die Herauslösung des seit 2003 zur Berliner Charité gehörenden Benjamin-Franklin-Klinikums verlangt.
Durch den Einstieg eines privaten Kapitalgebers ließe sich der Fortbestand des Hauses in Steglitz sichern, sagt Lenzen. Unterstützung erhält er von einer kleinen Gruppe von Klinikdirektoren. Die haben sich mit ihrer Idee an den Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum gewandt. \"Eine Teilprivatisierung würde das Benjamin Franklin zu einem profitablen Unternehmen machen\", sagt ein Mediziner der Uni.
Zunehmender Widerspruch
Solch ein Vorschlag aus der Ärzteschaft wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Das Image der privaten Klinikketten war bei Deutschlands Ärzten eher schlecht. Daran waren sie auch nicht ganz unschuldig. Sie kauften darbenden Kommunen ihre defizitären Häuser ab und versprachen Sanierung. Im Geleit der Vertreter von Rhön, Asklepios oder Helios schwärmten Wirtschaftsprüfer und Managementberater aus, ermittelten Sparpotenziale, optimierten OP-Pläne und Einkauf, trimmten die angeschlagenen Häuser auf Ertrag.
Mediziner liefen Sturm gegen Arbeitsverdichtung, ungeliebte Verwaltungsaufgaben und eine Kommerzialisierung des Medizinbetriebs. In Hamburg beispielsweise, wo Asklepios sieben Kliniken des Landesbetriebes Krankenhäuser übernahm, wollten weit über 1000 Mitarbeiter lieber medizinferne Jobs bei der Stadt annehmen, als länger für die Klinikkette zu arbeiten.
Viele Ärzte erlebten zunehmend einen Widerspruch zwischen hippokratischem Eid und ökonomischen Anforderungen, bilanzierte die Bundesärztekammer 2007 in einem Bericht über die Auswirkungen der Klinikprivatisierungen. Im Zentrum der privaten Unternehmen stehe vielfach eine Senkung des Personalbudgets. Das Ergebnis: Nichtbesetzung frei werdender Stellen, Outsourcing im Service, kurze Vertragslaufzeiten. In die Aufgaben der Ärzte werde zunehmend eingegriffen.


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