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Bewährungsstrafe im Prozess um Klinik-Skandal (20.01.2010)

Zwei weitere mitangeklagte Mediziner wurden freigesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich Arnold P. der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht hat. Das Gericht blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach zwei Jahren Bewährungsstrafe.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte P. eine Patientin nicht ausreichend über die Risiken ihrer bevorstehenden Operation aufgeklärt. Insbesondere habe er die Frau nicht über die geplante Anwendung von Zitronensaft zur Wunddesinfektion informiert. Die Frau hatte nach der Operation eine schwere Infektion erlitten und war schließlich gestorben.
Ob der Einsatz des Zitronensafts für den Tod der Patientin ursächlich war, konnte das Gericht zwar nicht klären. Die Anwendung des Saftes sei aber in jedem Fall ein ärztlicher Kunstfehler gewesen. Der Einsatz von Zitronensaft sei in keinem Krankenhaus üblich und könne deshalb nur als „Experiment“ angesehen werden. Nach Ansicht des Gerichts hätte die Patientin dafür ihre Einwilligung verweigert.

Gleichwohl wertete das Gericht den Tod der Patientin als minderschweren Fall. Die Richter gehen davon aus, dass P. den „Willen“ hatte, die Frau mit seiner Behandlungsmethode zu heilen. Auch hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Operation unter chirurgischen Gesichtspunkten nicht einwandfrei durchgeführt worden sei.

Mit dem Urteil schloss die Kammer einen ersten Teilkomplex in dem Verfahren um einen der größten Klinikskandale in Deutschland ab. Die neben P. mitangeklagten vier anderen Mediziner wurden darin allesamt freigesprochen. Grund für den vorläufigen Abschluss des Verfahrens ist die schwere Erkrankung eines Schöffen, der nicht mehr an der Hauptverhandlung teilnehmen kann.

Die Kammer will nun die Hauptverhandlung gegen P. und drei andere mitangeklagte Mediziner mit neuen Schöffen und dem erneuten Verlesen der Anklageschrift am 4. Februar wieder aufnehmen. Dann soll es um die übrigen Punkte der Anklageschrift gehen. Darin werden die Angeklagten für den Tod von sieben Patienten verantwortlich gemacht.

In dem Prozess werden die Fälle von insgesamt 18 Patienten verhandelt. Dabei geht es um 64 Fälle von Körperverletzung.

Die Ermittler gehen davon aus, dass auf lebensnotwendige Medikamente bei der Behandlung schwer kranker Menschen verzichtet wurde, um Geld zu sparen. Zitronensaft soll statt Antibiotika eingesetzt sowie auch auf lebensnotwendige Blutkonserven bei Operationen verzichtet worden sein.

P. selbst hatte die Vorwürfe in dem Prozess durch seine Anwälte zurückweisen lassen und den entstandenen „Eindruck“ einer „fehlerhaften Behandlung“ bedauert. Der Einsatz von Zitronensaft sei aus medizinischer Überzeugung und nicht aus Kostengründen geschehen. © ddp/aerzteblatt.de


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