. .

Erfahren Sie die aktuelle Neuigkeiten

Aktuelle News hier!


Wachkoma: Kommunikation via Kernspintomographie (08.02.2010)

Die fMRT erkennt die Aktivierung bestimmter Hirnareale an der gesteigerten Durchblutung, welche durch den vermehrten Sauerstoffbedarf ausgelöst wird. Dies wird zumeist farblich auf eine konventionelle MRT-Aufnahme projiziert.

Vor dreieinhalb Jahren hatte der Hirnforscher Adrian Owen vom Medical Research Council Cognition and Brain Sciences Unit in Cambridge berichtet, wie er mit einer Frau Kontakt aufnahm, die nach einem Verkehrsunfall ein Apallisches Syndrom (“vegetative state”) entwickelt hatte (Science 2006; 313: 1402).

Die Patientin war wach, aber unfähig auf Reize der Umgebung zu reagieren. Als die Forscher die Frau allerdings baten, sich vorzustellen, sie würde Tennis spielen (sie sollte den Körper in Gedanken bewegen), registrierten sie im prämotorischen Cortex eine vermehrte Aktivität.

Und wenn sie sich auf einen imaginären Rundgang durch ihr Haus begab, erzeugten die Erinnerungen an familiäre Szenen eine vermehrte Aktivität in verschiedenen anderen Hirnregionen, die an der Verarbeitung dieser Informationen beteiligt sind.

Inzwischen hat Owen zusammen mit Forschern der Universität Lüttich 53 Patienten untersucht: 23 befanden sich in einem „Vegetative State“. Bei den anderen 31 Patienten hatten die Neurologen einen „Minimally conscious state“ diagnostiziert. Letztere sind gelegentlich, aber nicht immer in der Lage, auf bestimmte Anweisungen, etwa durch Augenbewegungen, zu reagieren.

In der Studie waren fünf der 54 Patienten in der Lage, auf Kommando bestimmte Hirnregionen zu aktiveren. Bei vier Patienten hatten die Ärzte einen „Vegetative State“, bei dem fünften ein „Minimally conscious state“ diagnostiziert.

Dieser fünfte Patient konnte sechs autobiografische Fragen mit „ja“ oder „nein“ beantworten, indem er unterschiedliche Hirnareale aktivierte. So konnte er beispielsweise bestätigen, dass sein Vater Alexander heißt (Aktivierung der motorischen Areale) und nicht Thomas (Aktivierung räumlicher Vorstellungen) heißt.

Damit beweist die Gruppe, dass ihr früherer Bericht keine Einzelerscheinung war. Es gibt offensichtlich unter den vielen apallischen Patienten eine Gruppe, die sich in einem Bewusstseinszustand befindet, der komplexe Handlungen erlaubt, auch wenn sich diese nur in der Gedankenwelt abspielen.
Die Kommunikation via fMRI könnte im Prinzip an vielen Kliniken durchgeführt werden. Und die Beantwortung von Ja- und Nein-Fragen würde durchaus den Weg für weitreichende Kommunikationen ermöglichen, beispielsweise über die Notwendigkeit einer Schmerztherapie oder zu existenziellen Wünsche.

Die Forscher selbst halten die Methode derzeit noch nicht für ausgereift. Die fMRI-Technik würde auch, da sie sehr aufwendig ist, hohe technische Hürden stellen. Die Forscher suchen deshalb nach einfacheren Methoden, um etwa über Veränderungen in der EEG-Ableitung die Gedanken der Patienten „lesen“ zu können. © rme/aerzteblatt.de


Zur News Seite