. .

Erfahren Sie die aktuelle Neuigkeiten

Aktuelle News hier!


Rösler will Zugang zum Medizinstudium erleichtern (07.04.2010)

Der Notendurchschnitt allein sage nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt werde. „Ich finde, da kommt es noch auf ganz andere Faktoren an. So spielt die Fähigkeit zur menschlichen Zuwendung eine große Rolle.“ Unterstützung erhielt Rösler von Union und Ärzten.

Rösler gab keine Prognose darüber ab, wann ein anderes Zuteilungsverfahren für Studienplätze kommen könnte, da darüber die Bundesländer befinden müssten. „Ich würde die Umstellung gerne noch in dieser Legislaturperiode politisch auf den Weg bringen“, betonte er jedoch.

Einen erheblichen Ärztemangel befürchtet Rösler auf dem Land. Hier sei die „gefühlte Unterversorgung“ viel größer, als es die Statistiken auswiesen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem dramatisch schon in den nächsten zehn Jahren.“

Der Gesundheitsminister plädierte ferner für andere Arbeitszeitmodelle von Ärzten, weil bereits 60 Prozent der Medizinstudenten weiblichen Geschlechts sind. Kliniken, die über Ärztemangel klagen, sollten den Klinikalltag anders organisieren, damit Halbtagsbeschäftigung von jungen Eltern möglich werde, schlug er vor.

CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sagte der Zeitung "Die Welt" vom Dienstag: "Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen."

Spahn betonte: "Auch Menschen mit einer zwei oder drei im Abitur können gute Ärzte werden." Das bedeute aber nicht, dass die Note künftig keine Rolle mehr spiele. Jedoch müsse auch die Bereitschaft berücksichtigt werden, sich als Hausarzt in unterversorgten Gebieten niederzulassen.

Man könne 20 bis 30 Prozent der Studienplätze für Medizin für Bewerber reservieren, die sich verpflichten, danach in eine solche Region zu gehen. Einen Pluspunkt sollten zudem diejenigen bekommen, die bereits Erfahrung im medizinischen Betrieb gesammelt hätten.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sagte dem Blatt, zur Abiturnote müssten weitere Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium hinzukommen. Berücksichtigt werden sollten das Engagement im Gesundheitswesen als Pfleger oder Sanitäter und ein Studiengang, der mit der Medizin kompatibel ist. Das könne etwa Biologie sein, aber auch Philosophie. "Wir haben in der Medizin viel zu wenig geisteswissenschaftliche Grundlagen", sagte Hoppe. Auch die Auswählgespräche der Universitäten müssten ausgebaut werden.

Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) können Röslers Vorschläge nur Teil eines Gesamtpaketes sein. „Wir brauchen für die Zukunft eine intelligente Versorgungssteuerung, die regionale Bedürfnisse berücksichtigt und sektorenübergreifend angelegt ist“, forderte KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller. Studien zufolge ließen sich Hausärzte in erster Linie in ihren Heimatregionen nieder. „Das heißt, wir müssen die Medizinstudierenden direkt in den Regionen anwerben, in denen sie sich niederlassen sollen“, so Müller.

Der Hartmannbund beurteilte die Vorschläge hingegen skeptisch. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass Rösler den Ärztemangel als Fakt und Problem diagnostiziert habe, erklärte Verbandschef Kuno Winn. Die Vorschläge ließen aber keine Besserung erwarten. Auch sei es eher unwahrscheinlich, dass ein angehender Medizinstudent bereit sei, sich darauf festzulegen, wo er in mehr als zehn Jahren praktizieren werde, gab Winn mit Blick auf die angedachte "Landarztquote" zu bedenken.

Kritik an Röslers Plänen kam auch von der SPD. "Dies ist ein plakativer und sehr simpler Vorschlag für ein komplexes Problem", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Carola Reimann (SPD), der "Frankfurter Rundschau" vom Mittwoch. Zwar sei es richtig, die Hürden bei der Zulassung zu senken, "aber das alleine wird nicht ausreichen."

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) sagte der "tageszeitung" vom Mittwoch, das Problem könne nicht "zentralistisch" gelöst werden. Söder plädierte stattdessen für die Einführung eines Stipendienprogrammes für potenzielle Landärzte und eine Stärkung der Kommunen, die so für die Zukunft Mediziner an sich binden könnten. Grundsätzlich gingen die Vorschläge aber in die richtige Richtung. © ddp/aerzteblatt.de


Zur News Seite