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Ärzte: Längere Wege zum Notfalldienst (17.04.2009)

Patienten in Westfalen müssen künftig längere Wege und längere Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn sie am Mittwochnachmittag oder am Wochende die Sprechstunde des hausärztlichen Notfalldienstes aufsuchen müssen.

Denn die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe plant, die bisherigen rund 178 hausärztlichen Notfalldienstbezirke zu 29 zusammenzufassen. Gleichzeitig sollen insgesamt 48 Notfallpraxen als feste Anlaufstellen an Krankenhäusern eingerichtet werden. Diese Neuordnung soll im Laufe des Jahres 2010 umgesetzt werden. Eine neue zentrale Leitstelle mit einer landesweit einheitlichen Rufnummer, die noch nicht feststeht, kooordiniert künftig den Notfalldienst. Nicht betroffen von der Regelung ist der Einsatz des Notarztes in lebensbedrohlichen Situationen, der unter der Telefonnummer 112 gerufen wird und mit Blaulicht zum Einsatz, zum Beispiel Unfällen, fährt.
Zu wenig Hausärzte

Durch das Zusamenlegen von bisherigen Bezirken sollen die Mediziner entlastet werden. Denn die Kassenärztliche Vereinigung befürchtet erhebliche Nachwuchsprobleme. In den nächsten fünf Jahren scheiden rund 25 Prozent der Allgemeinmediziner aus Altersgründen aus. Nachfolger sind kaum in Sicht, besonders betroffen sind die Hausärzte. Die Weitergabe von Arztpraxen an Nachfolger werde durch die hohe Dienstbelastung - dazu zählt auch der Notfalldienst - immer mehr erschwert. „Wer möchte schon als junger Arzt alle zwei Wochen Notfalldienst haben?”, fragt Ulrich Thamer, Vorstand der Vereinigung.

In Westfalen ist ein Viertel der Hausärzte älter als 60 Jahre. In einigen Gebieten wird sich die Ärztezahl in den nächsten fünf Jahren um die Hälfte verringern. „Spätestens dann herrscht ein akutes Nachwuchsproblem”, stellt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe fest. Die AOK Westfalen-Lippe bestreitet allerdings, dass es ein Nachwuchsproblem bei den Hausärzten gibt. „Wir haben keine ärztliche Unterversorgung”, sagt Vorstandsvorsitzender Martin Litsch.
Größere Notfallbezirke

Weniger Ärzte müssten dann immer häufiger an Wochenenden und Mittwochsnachmittag Notdienst leisten - für viele junge Mediziner ein Hindernisgrund, eine Praxis zu führen, befürchtet die Ärzte-Vereinigung. In Bad Laasphe gibt es beispielsweise derzeit elf Ärzte, von denen vier älter als 55 Jahre sind. In Hagen sind bereits 32,5 Prozent der Hausärzte älter 60 Jahre.

Durch den Zuschnitt von größeren Notfalldienstbezirken soll die Belastung der einzelnen Ärzte geringer werden. Die Änderung wird im Laufe des nächsten Jahres umgesetzt. Noch sind die Planungen nicht endgültig, betont Ulrich Thamer vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung.
Lüdenscheid und Iserlohn werden zusammengelegt

So sollen nach den bisherigen Planungen Lüdenscheid und Iserlohn zu einem Bezirk zusammengeschlossen werden. Bisher gab es in Iserlohn 90 Ärzte, die den Notfall-Dienst am St. Elisabeth-Hospital versahen. Im Bereich Lüdenscheid standen 120 Ärzte bereit, die den so genannten Sitz-Dienst in der eigenen Praxis durchführten.

Für den Bereich Lüdenscheid wird nun eine Notfalldienstpraxis im Klinikum Lüdenscheid eingerichtet. Können Patienten die nächstgelegene Notfallpraxis nicht selbst aufsuchen, kommt ein Fahrdienst zu ihnen und bringt sie zu der Praxis. Es wird nämlich auch eine zentrale Leitstelle eingerichtet, die künftig den Notfalldienst koordiniert. Sie kann die Erstberatung des Patienten übernehmen, hofft die Ärzte-Vereinigung, und die Einsätze des neu eingerichteten Fahrdienstes steuern.
Zur Not in die Ambulanz

Patienten, denen der Weg in die Notfallpraxis zu weit ist, können auch in die Ambulanz eines näher gelegenen Krankenhauses gehen, bestätigt die Vereinigung. So könnte der Mendener, statt nach Iserlohn zum St. Elisabeth-Hospital zu fahren, den Notfalldienst-Arzt in Arnsberg aufsuchen. Er ist nicht gezwungen, die Praxis seines Bezirks aufzusuchen.

Bestimmte Anreize sollen mehr Hausärzte auch in ländliche Gebiete locken. So denkt die Arzt-Vereinigung daran, den Numerus Clausus zu lockern, wenn sich die Medziner verpflichten, für eine bestimmte Zeit nach der Approbation aufs Land zu ziehen.


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