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Der Berater für ein gutes Leben (19.12.2010)

Kind aus gutem Hause, studiert wie Vater und Urgroßvater Medizin, wird früh in die High Society eingeführt, publiziert im „Journal des Luxus und der Moden“, ist Mitglied elitärer Klubs – und tut Gutes für die Armen. Das ist nicht das Leben eines Schönheitschirurgen aus Hollywood, sondern ein Ausschnitt aus der Biografie Christoph Wilhelm Hufelands, geboren 1762. Hufeland ist schon Prominentenarzt, bevor er zu einem der bedeutendsten Ärzte seiner Zeit wird: In Weimar, wo er die Praxis seines Vaters führt, sind Goethe, Schiller, Wieland und Herder seine Patienten. Und weil „Goethes Gesundheit in der Regel vortrefflich“ ist, bleibt Zeit für inspirierende Diskussionen: Körper, Geist, Natur, Kultur und Politik sind miteinander verbunden, ahnt Hufeland.

Nur wie?

Er scheut sich nicht vor anderen Disziplinen, sucht, wo die Medizin nicht weiter weiß, in der Kunst und Philosophie nach Antworten. Und bei den Freitags- und Mittwochsgesellschaften, wo Gelehrte und Bürger zusammenkommen. Dort bringt er medizinisches Wissen ein und nimmt einen Schreibdrang mit hinaus, der ihm ein enormes Arbeitspensum aufbürdet. 1793 wird er Professor für Medizin an der Universität Jena und veröffentlicht die „Makrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“. Das Buch wird ein Welterfolg. Es gilt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als wichtigster Ratgeber einer vernünftigen Lebensführung. Seine eigene dagegen wird noch unvernünftiger, als er mit 40 dem Ruf nach Berlin folgt: „Eine große Welt, in der ich wirken sollte, einen königlichen Hof, dem ich als Leibarzt dienen sollte, eine medizinische Fakultät, der ich als Direktor vorstehen sollte, ein großes Krankenhaus, in dem ich der erste Arzt sein sollte, überdies noch die Akademie der Wissenschaften“ – die Befürchtung, das könnte seine Kräfte übersteigen, bewahrheitet sich schnell. 40 Krankenbesuche am Tag plus Forschung und Lehre bringen ihn an den Rande des Burn-outs. Als Hufeland aus dem hektischen Berlin flüchten will, ködert ihn Friedrich Wilhelm III. mit der Finanzierung eines Hauses im Tierpark. Der Arzt nimmt an, und die Königsfamilie kann fortan auf seine Pflichtergebenheit zählen: Als die napoleonischen Truppen die preußischen 1806 besiegen und Berlin schutzlos ist, zögert Hufeland keine Sekunde. Er flieht mit Königin Luise nach Königsberg. Wieder in Berlin, sichert sich Hufeland einen Platz auf dem medizinischen Olymp: Er ist maßgeblich am Aufbau der Universität beteiligt, richtet die erste Poliklinik zur kostenlosen Behandlung der Armen ein, verbessert die Ausbildung der Ärzte und fordert Hygienegesetze. Dafür wurde er noch vor seinem Tod 1836 mit vielen Ehrungen bedacht. Nur den Adelstitel lehnte er ab, aus Sorge seine Söhne würden sonst ihr Brot nicht „durch ein ehrliches Handwerk“ verdienen. Außerdem gab es noch eine Menge zu tun in der Medizin.

quelle: Tagesspiegel


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