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Kampf gegen Ärztemangel (29.12.2010)

Angesichts des drohenden Ärztemangels hatte Rösler am Wochenende dafür plädiert, den bestehenden Numerus Clausus für das Medizinstudium abzuschaffen und stärker auf Auswahlgespräche zu setzen. Rösler machte sich außerdem für andere Arbeitszeit-Modelle stark, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Im Gespräch ist auch eine „Landarztquote“. Damit könnte ein gewisser Teil an Medizin-Studienplätzen an Bewerber gehen, die sich verpflichten, nach dem Abschluss für einige Jahre in unterversorgten ländlichen Gebieten zu arbeiten.

Spahn sagte: „Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen.“ Auch „Menschen mit einer zwei oder drei im Abitur“ könnten gute Ärzte werden. Der CDU-Politiker schlug vor, man könne 20 bis 30 Prozent der Medizin-Studienplätze für Bewerber reservieren, die sich verpflichten, danach in eine unterversorgte Region zu gehen. Einen Pluspunkt sollten zudem diejenigen bekommen, die bereits Erfahrung im medizinischen Betrieb gesammelt hätten.

Auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, bei der Zulassung müssten neben der Abiturnote weitere Kriterien hinzukommen - etwa Erfahrungen als Pfleger oder Sanitäter. Auch die Auswählgespräche der Universitäten müssten ausgebaut werden. Hoppe warnte aber davor, „Berufsanfänger auf die ländliche Bevölkerung loszulassen“. Das sei keine gute Idee. Gerade auf dem Land, wo der Mediziner oft allein arbeite, müsse ein Arzt besonders erfahren sein.
Skeptisch äußerte sich der Ärzteverband Hartmannbund zu Röslers Plänen. Dass der Minister den Ärztemangel als Fakt und Problem diagnostiziert habe, sei zwar zu begrüßen, sagte Verbandspräsident Kuno Winn. Die von Rösler vorgeschlagene „Therapie“ lasse aber „isoliert betrachtet - über eine Placebo-Wirkung hinaus - keine Besserung erwarten“. Nur eine verbesserte Attraktivität des Arztberufs könne den Medizinermangel dauerhaft beheben.

Das betonte auch die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die die niedergelassenen Mediziner vertritt. Wichtig sei, dass die Medizinstudenten überhaupt im Arztberuf ankämen, „denn derzeit gehen über 40 Prozent an Verwaltung und Wirtschaft verloren“, sagte KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller. Röslers Vorschläge reichten nicht aus, um das Problem des Hausarztmangels zu lösen.

Reimann bezeichnete Röslers Vorstoß als „plakativen und sehr simplen Vorschlag für ein komplexes Problem“. Zwar sei es richtig, die Hürden bei der Zulassung zu senken, „aber das alleine wird nicht ausreichen“. Die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses warb dafür, die Allgemeinmedizin zu stärken und ihr an den Hochschulen einen höheren Stellenwert einzuräumen. Wichtig sei aber insbesondere, die Arbeitsbedingungen zu verändern. „Der Einzelkämpfer in der Praxis mit 60 Wochenstunden kann nicht das Arztbild der Zukunft sein“, sagte sie, „es braucht neue Arbeitszeitmodelle und Teamarbeit.“

(ddp)


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