. .

Erfahren Sie die aktuelle Neuigkeiten

Aktuelle News hier!


Zahl der Ärzte aus Nicht-EU-Ländern in Thüringen steigt (29.12.2010)

Die Idee dafür hatte die ehemalige Internistin 1995 während ihrer Arbeit im Landesverwaltungsamt. Damals kamen vor allem Ärzte aus den ehemaligen GUS-Staaten als Spätaussiedler und beantragten bei ihr die Anerkennung der beruflichen Qualifikation. „Mir haben diese Menschen leidgetan, sie waren so niedergedrückt“, erinnert sie sich. Schröder setzte sich zum Ziel, den hoch qualifizierten Ärzten eine Zukunft in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen.

„Wir möchten sie beruflich, sozial und kulturell integrieren“, beschreibt Schröder die Aufgabe, die ganz einfach klingt, aber angesichts der qualitativ unterschiedlichen medizinischen Ausbildung, der sprachlichen Barrieren und der soziokulturellen Unterschiede viel Arbeit bedeutet. Mit reiner Wissensvermittlung wie Deutsch für Mediziner und Unterricht in medizinischen Disziplinen ist es nicht getan. „Viele sind am Anfang sehr ängstlich. Wir müssen immer wieder Mut machen, ihnen sagen, dass sie nicht verzagen sollen“, berichtet die 69-Jährige.

Die jeweils 12 bis 18 Frauen und Männer pro Kurs sind zwischen 25 und 60 Jahre alt. Zunehmend interessieren sich auch Ärzte aus arabischen Ländern und Mittelamerika dafür. Aus dem zunächst achtwöchigen Kursprogramm im Jahr 1996 wurde inzwischen ein 14-monatiges Seminar, ein sechsmonatiges Praktikum in einer Klinik eingeschlossen. „Durch einen guten Kontakt zu den Kliniken wissen wir immer, welche Teilnehmer sich bei der praktischen Arbeit gut integrieren und wem wir helfen müssen“, sagt Schröder.

Nach der Hälfte der Kurszeit wird Bergfest gefeiert. Dann treffen sich alle Teilnehmer und Dozenten, gemeinsam werden Nationalgerichte der jeweiligen Länder gekocht. „Wir haben dann auch Männer und Frauen am Tisch sitzen, deren Nationen sich bekriegen„, sagt Schröder. Dass sei allerdings selten problematisch. “Der gleiche Beruf verbindet genauso wie Musik“, fügt sie hinzu.Die Nachfrage nach den Absolventen ist groß. „Kliniken fragen schon zu Beginn eines Kurses nach und wollen gleich mehrere Teilnehmer übernehmen“, sagt Schröder. Die Landesärztekammer Thüringen bestätigt den Bedarf an Ärzten, auch aus dem Ausland. “Im Krankenhausbereich fehlen schätzungsweise 150 Ärzte„, sagt Ulrike Schramm-Häder von der Landesärztekammer. Insgesamt gibt es in Thüringen derzeit rund 10 900 Mediziner.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sieht einen “Nachbesetzungsbedarf„. “Im ambulanten Bereich fehlen derzeit rund 120 Hausärzte„, sagt Regina Feldmann von der KV. Chancen sieht Feldmann beim medizinischen Nachwuchs, bei dem jeder Zweite nicht mehr eine Karriere als niedergelassener Arzt favorisiert. “Hier müssen wir ansetzen", erklärt sie.

Die Zahl der Ärzte mit einem ehemals ausländischen Pass ist in Thüringen gestiegen. Waren es Ende 2008 noch 518, so betrug deren Zahl im vergangenen Jahr 605. Die Kurse bei Johanniter-Unfall-Hilfe in Weimar leisten dazu einen Beitrag.


Zur News Seite