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Weniger Geld für Belegärzte (17.04.2009)

ür viele Frauen ist der langjährige Gynäkologe der Arzt ihres Vertrauens. Bekommen sie ein Kind oder müssen sie ein Myom entfernt bekommen, ist er für sie die erste Wahl. Auch Krebspatienten empfinden es als angenehm, wenn sie in der Klinik vom selben Doktor behandelt werden, der sie auf die Operation vorbereitet hat und die ambulante Nachsorge übernimmt.

Möglich macht dies das Belegarztwesen, das in Hessen - wie in anderen südlichen Bundesländern - besonders stark ausgeprägt ist. Zehn Prozent aller stationären Behandlungen erfolgen hier durch Ärzte, die im Hauptberuf eine Praxis betreiben, daneben aber einige Betten in einer nahen Klinik belegt haben.
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Dieses seit Jahrzehnten erfolgreiche Modell ist akut gefährdet, warnte die Hessische Krankenhausgesellschaft jetzt bei einem Gespräch im Frankfurter Bethanienkrankenhaus, das ebenfalls eng mit Belegärzten zusammenarbeitet. Grund ist die Vergütung, die sich durch das neue Krankenhausfinanzierungsgesetz massiv verschlechtert hat.

Belegärzte
Rund 45 Prozent der hessischen Kliniken bestehen ganz oder teilweise aus belegärztlichen Fachabteilungen. In rund 3300 Belegbetten werden mit 120.000 Patienten im Jahr rund zehn Prozent aller stationären Patienten versorgt.

Das Alice-Hospital in Darmstadt ist mit rund 40 Belegärzten und etwa 12.000 stationär behandelten Patienten im Jahr eines der bundesweit größten reinen Beleghäuser. Es wurde vor 126 Jahren gegründet.
Nimmt - zum Beispiel - ein Belegarzt einen Blinddarm heraus, erhalten er und die Klinik seit Anfang des Jahres 20 Prozent weniger Geld, als wenn ein angestellter Arzt des Krankenhauses ihn entfernt hätte. Zehn Millionen Euro jährlich wollen die hessischen Krankenkassen damit sparen, sagte der Landesvorsitzende der Belegärzte, Hans-Friedrich Spies.

Die Gründe für die ungleiche Honorierung seien hanebüchen, sagte Lothar Nicolai, Geschäftsführer der Helios Klinik Oberwald in dem Vogelsbergstädtchen Grebenhain. \"Belegärzte arbeiten wirtschaftlich, die brauchen nicht so viel\", laute das Argument. \"Jetzt werden wir bestraft, weil wir den Kassen Geld sparen.\"

Die belegärztliche Leistung sei günstiger als die vollstationäre, argumentieren hingegen die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). \"Das spiegelt sich auch in der Vergütung wider\", sagte eine GKV-Sprecherin auf Anfrage.

Mit einer Honorarminderung von 20 Prozent arbeite man nicht mehr kostendeckend, argumentiert Nicolai. Die Ärzte würden sich zurückziehen, was gerade die Versorgung auf dem Land gefährde. Denn in kleinen Krankenhäusern seien die Fallzahlen oft zu gering, als dass sich der Aufbau einer hauseigenen Station lohnte. \"Gleiches Geld für gleiche Leistung\" lautet daher die Forderung der Krankenhausgesellschaft an die Politik. Präsident Holger Strehlau sagte, er werde die hessische Landesregierung bitten, in diesem Sinne im Bundesrat tätig zu werden.

Ob dies zeitnah möglich ist, müsse er prüfen, sagte Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) der Frankfurter Rundschau. Hessen sei schon mal mit einem solchen Vorstoß abgeblitzt.


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