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Medizinstudium: Der Hammer fällt (21.10.2011)

Das seit Jahren heftig umstrittene „Hammerexamen“ am Ende des Medizinstudiums soll es bald nicht mehr geben.

Sie ist eine Ergänzung des Versorgungsstrukturgesetzes und soll zeitgleich mit ihm Ende des Jahres vom Parlament verabschiedet werden: die erste Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte. Sie soll helfen, gezielt Nachwuchs zu gewinnen und – durch Stärkung der Allgemeinmedizin in der ärztlichen Ausbildung – einer Unterversorgung von Hausärztinnen und -ärzten entgegenzuwirken, heißt es im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der jetzt in Umlauf gebracht wird.

Kern der Verordnung ist die Wiederabschaffung des 2006 unter Protesten von Studierenden eingeführten sogenannten Hammerexamens, bei dem das mündliche sowie das schriftliche Examen gebündelt nach dem praktischen Jahr (PJ) abgelegt werden müssen. Ferner sollen Studierende künftig das PJ nicht mehr ausschließlich an den Kliniken der Heimatuniversität absolvieren müssen. Zudem wird ihnen die Möglichkeit eingeräumt, auch Teilzeit während des PJ zu arbeiten. Außerdem soll die Anzahl der anrechnungsfähigen Fehltage von 20 auf 30 erhöht werden, wovon vor allem Studierende mit Kind profitieren könnten. Das Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin wird auf zwei Wochen verlängert und die Palliativ- sowie auch die Schmerzmedizin ausdrücklich in die Approbationsordnung aufgenommen.

Bereits im Juni hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) das Vorhaben angekündigt, den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung wieder zu splitten, das schriftliche Examen vor das PJ zu setzen und durch eine mündliche Prüfung das erworbene klinische Wissen und Können nach dem PJ zu prüfen. Auch der Medizinische Fakultätentag sprach sich in einer Resolution für eine entsprechende Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung aus, damit sich die angehenden Ärztinnen und Ärzte während des PJ ganz auf die klinisch-praktische Tätigkeit konzentrieren können. Zudem forderte der Deutsche Ärztetag mehr Praxisnähe im Studium, familienfreundliche Studienbedingungen und neue Regelungen für das Staatsexamen. Zunächst hatte diese Initiative Eingang in das Eckpunktepapier des BMG für das Versorgungsstrukturgesetz gefunden, war dann jedoch gestrichen worden, um das Gesetz unabhängig von der Zustimmung des Bundesrates zu halten.

Die nun separat angegangene Änderung der Approbationsordnung bietet hingegen keinen Zündstoff: Der Bundesrat hat ihr bereits zugestimmt, und auch bei den Organisationen und Verbänden stößt sie allgemein auf Zustimmung. „Dass jetzt der Gesetzgeber nachzieht und entsprechende Änderungen der ärztlichen Approbationsordnung plant, begrüßen wir ausdrücklich“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Besonders positiv bewertet er, dass das PJ künftig auch außerhalb der Uniklinik oder den ihr zugeordneten Lehrkrankenhäusern absolviert werden kann. Dies erweitere nicht nur die Wahlmöglichkeiten für die Studierenden, sondern dadurch stiegen auch die Chancen für Kliniken auf dem Land, Nachwuchs für die Patientenversorgung zu gewinnen.

Freude über die geplante Änderung herrscht auch bei den Medizinstudierenden: „Viele Forderungen unserer Positionspapiere sind im aktuellen Entwurf des BMG berücksichtigt“, erklärt Carolin Fleischmann, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Aber nicht nur die gewünschte höhere Mobilität innerhalb Deutschlands würde durch die freie Wahl der Klinik für das PJ gefordert. „Wir versprechen uns auch einen gesteigerten Wettbewerb, der die Krankenhäuser dazu bringt, ihre Lehre im PJ zu überdenken und gegebenenfalls das Ausbildungsangebot zu erhöhen“, erläuterte Fleischmann. Auch die von der bvmd schon 2009 verlangte Einführung von Logbüchern und die Evaluation des PJ sollen nun umgesetzt werden. „Dies ist ein weiterer richtiger Schritt zur Verbesserung der Lehre in diesem wichtigen Abschnitt des Medizinstudiums, und er sorgt dafür, dass die Medizinstudierenden nicht zu Tätigkeiten herangezogen werden, die ihrer Ausbildung nicht zuträglich sind“, betonte die bvmd-Präsidentin. Auch die Studierenden im Marburger Bund (MB) freuen sich sehr, dass „nun endlich eine vernünftige Regelung auf den Weg gebracht wird, die den Interessen und Bedürfnissen der Studierenden entspricht“. „Die Abschaffung des Hammerexamens ist ein gewaltiger Schritt nach vorn und wird zu einer großen Entlastung der Medizinstudierenden führen“, ist Jan Bauer, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im MB überzeugt. Die Verordnung soll Anfang des nächsten Jahres in Kraft treten.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=109189


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