. .

Erfahren Sie die aktuelle Neuigkeiten

Aktuelle News hier!


Hoppe sieht keine Sparreserven mehr (18.04.2009)

rankfurt/Main – Das deutsche Gesundheitswesen hat nach Angaben von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe keine Sparreserven mehr. Schon jetzt seien viele Krankenhäuser in einem erbärmlichen Zustand, die Arbeitsverdichtung in Klinik und Praxis sei grenzwertig und die Bezahlung unzureichend, sagte Hoppe der Nachrichtenagentur AP: „Wer jetzt noch über Sparreserven im Gesundheitswesen räsoniert, bei dem ist der Groschen immer noch nicht gefallen.“

Im Streit über die Honorare für niedergelassene Ärzte warnte Hoppe die Mediziner aber vor „völlig deplatzierten Protestaktionen“. Diese könnten das Vertrauen der Patienten in die Ärzteschaft untergraben: „Ich meine damit die übermotivierten Kollegen, die glaubten, von den Patienten Vorkasse verlangen zu müssen.“ Das habe dem berechtigten Anliegen der Ärzte sehr geschadet. In den letzten Wochen hatte es immer wieder Demonstrationen und Praxisschließungen gegeben, einige Ärzte hatten von ihren Patienten sogar Vorkasse für Behandlungen verlangt.

Hintergrund ist die zum Jahresbeginn in Kraft getretene Honorarreform, als deren Folge viele Ärzte sinkende Einkommen beklagen. Der Präsident der Bundesärztekammer machte „eine falsche Gesundheitspolitik“ dafür verantwortlich, dass der Anteil der ambulanten ärztlichen Versorgung an den Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung kontinuierlich gesunken sei: Nur noch 15 Euro von 100 Euro Kassenbeitrag kämen bei den niedergelassenen Ärzten an, vor 20 Jahren seien es noch 22 Euro gewesen.

Mit scharfen Worten wies Hoppe den Vorwurf der Geldverschwendung zurück: „Ich kann diesen Unsinn nicht mehr hören. Anderswo pumpt der Staat haufenweise Geld in Wirtschaftsbereiche, die zig Milliarden Euro verbrannt haben.“ Und im Gesundheitswesen werde immer noch nach vermeintlichen Wirtschaftlichkeitsreserven gefahndet. „Bei uns aber geht es um Menschenleben, um das Wohlergehen aller in diesem Land“, warnte Hoppe.

Das Problem sei, dass der Nachwuchs in der ärztlichen und pflegerischen Versorgung wegbreche. Um den Stand der Versorgung zu halten, würden mehr junge Ärzte und mehr junge Pfleger benötigt: „Gelingt uns das nicht, müssen wir massive Abstriche an der Versorgung machen“, sagte der oberste Vertreter der 420.000 Mediziner in Deutschland.
Unaufhörlich steigender Versorgungsbedarf

Hoppe verwies auf den unaufhörlich steigenden Versorgungsbedarf: „Die Menschen werden älter und sind im Alter häufiger krank.“ Aber auch bei jüngeren Menschen werde eine Zunahme chronischer Leiden – etwa von Allergien – beobachtet. Das seien keine Befindlichkeitsstörungen, sondern durchaus ernsthafte Erkrankungen, die über einen langen Zeitraum behandelt werden müssten, um einen Heilungserfolg zu erreichen.

Der Ärztepräsident forderte, das Gesundheitswesen von Staatsbürokratie zu entsorgen: „Wir brauchen wieder mehr Raum für Patient und Arzt.“ Die Politik habe es in der Hand, mit einer überzeugenden Reform der Finanzierungsgrundlagen des Gesundheitswesens die Versorgung sicherzustellen. „Wir müssen neu definieren, was die Solidargemeinschaft, und was jeder Einzelne leisten kann“, sagte Hoppe. Er schlug die Einrichtung eines Gesundheitsrates vor, der solche Entscheidungen vorbereiten könne. (AP)


Zur News Seite