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Augenärztliche Grundhonorierung viel zu niedrig (19.04.2009)

Bis zu drei Milliarden Euro mehr für die Ärzte von 2007 bis 2009 – so lauten die
Versprechungen des Bundesministeriums für Gesundheit. Bittere Realität ist aber: In
Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein und in anderen alten Bundesländern
kommt nicht mehr Geld, sondern deutlich weniger als vorher zur Grundversorgung
der Patienten bei den niedergelassenen Augenärzten an. Das ist zumindest bei den
bislang bekannt gewordenen Regelleistungsvolumina zu erwarten. Damit setzt sich
trotz aller Versprechungen der Politik dieser katastrophale Trend der letzten zehn
Jahre weiter fort.
Ursache dafür ist, dass die Vergütung der ambulanten Medizin weiterhin in der
Gesamtsumme begrenzt ist. Von diesem Betrag werden zunächst alle zu fördernden
Leistungen wie Prävention, Notdienst, Schlaflabor, Akupunktur, das ambulante
Operieren, die neu in die Kassenversorgung aufgenommenen Leistungen, die
Psychotherapie und die Sachkosten z.B. für Dialyse oder Porto abgezogen. Nur der
dann übrig bleibende Betrag steht für die Grundversorgung der Haus- und Fachärzte
zur Verfügung. Wegen der Verlagerung von Leistungen aus dem stationären in den
ambulanten Bereich und wegen der immensen Fortschritte in der Medizin muss
immer mehr Geld in neue Geräte und die Spezialversorgung teurer neuer Leistungen
gesteckt werden. Deswegen verringert sich der Honorarrest für die normale
fachärztliche Grundversorgung immer weiter, obwohl auch hier eine immer
differenziertere und teurere Medizin erforderlich ist.
Das Bundessozialgericht hat für die Honorarverteilung festgelegt, dass den
Psychotherapeuten eine Therapiestunde mit einem festen Satz zu vergüten ist.
Dieser Stundensatz beträgt 2009 81,04 Euro. In einigen alten Bundesländern muss
ein Augenarzt in 2009 ca. vier Patienten ein Quartal lang behandeln, um auf den
gleichen Bruttobetrag zu kommen. Da ein Teil der Patienten mehrfach pro Quartal
untersucht werden muss, kann der Augenarzt nur mit der Untersuchung und
Therapie von fünf bis sechs Patienten pro Stunde überhaupt den gleichen Umsatz
erzielen wie ein Psychotherapeut. Diese hohe Frequenz wird oft nicht erreicht, so
dass der Bruttoumsatz schon etwas niedriger als der vom BSG dem
Psychotherapeuten zugebilligte Stundensatz sein dürfte. Wenn man aber von diesem
augenärztlichen Stundensatz die erheblichen Praxiskosten eines Augenarztes u. a.
für die Arzthelferinnen, die Raumkosten und die Investitionen für die teuren
fachärztlichen Geräte abzieht, dann bleibt nur noch ein geringes oder kein
Nettoeinkommen für den Augenarzt mehr übrig. Viele Augenarztpraxen in diesen
Bundesländern können schon jetzt nur noch über die Einnahmen aus den erheblich
besser vergüteten Untersuchungen von Privatpatienten, aus Gutachten und aus
individuellen Gesundheitsleistungen betrieben werden.
Daraus ergibt sich für Prof. Dr. Bernd Bertram, 1. Vorsitzender des Berufsverbands
der Augenärzte Deutschlands (BVA), folgende Konsequenz: „Wir Augenärzte fordern
eine erhebliche Anhebung der augenärztlichen Regelleistungsvolumina, mit denen
die augenärztliche Grundversorgung der gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.
Nur so kann eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Augenarztversorgung von
Kassenversicherten in Zukunft gesichert werden.“


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